Expertin kritisiert Pläne für den Eyller Berg

Kamp-Lintfort, 18.06.2009, Harry SEELHOFF

Kamp-Lintfort. Claudia Baitinger prüft für den BUND die Akten der Abfallgesellschaft

Claudia Baitinger ist eine Expertin für Sondermüll, giftige Abfälle, Deponien und Abfallbeseitigung. Sie prüfte die Unterlagen der chemisch-physikalischen Abfallbehandlungsanlage, die die Eyller-Berg-Abfallgesellschaft (EBA) auf der Deponie plant. Die Unterlagen füllen zwei große Aktenordner. Die Expertin des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) fasste gestern ihr Prüfungsergebnis so zusammen: „Das Ding ist nicht genehmigungsfähig.”

Aus von der EBA zur Verfügung gestellten Aktenordnern gehe eindeutig hervor, dass die Abfälle, die in der geplanten Anlage auf dem Eyller Berg behandelt werden sollen, teilweise vor Ort verbleiben. Ein anderer Teil des Giftmülls soll nach der Behandlung in Sachsen-Anhalt unter Tage deponiert werden.

Auf die Frage, mit welchen Stoffen in der geplanten Anlage umgegangen werden solle, lautete die Anwort von Claudia Baitinger: „Die Akte enthält den Maximalkatalog.” Es seien einige hochgiftige Abfälle dabei. „Chrom VI ist einer der krebserregendsten Stoffe”, so die BUND-Expertin in ihrer Einschätzung für eine Stellungnahme an die Düsseldorfer Bezirksregierung.

Zur Behandlung der Abfälle sollen ihrer Aussage nach andere Abfälle eingesetzt werden, so auch Filterstäube, die beispielsweise aus Müllverbrennungsanlagen stammen. Und diese, so die Expertin, seien dioxinhaltig und schwermetallbelastet. Ihr Fazit: „Die machen aus Sondermüll Sondermüll.” Bislang sei der Eyller Berg eine Deponie für gefährliche Abfälle der Klasse III.

Rund 40 Prozent aller in NRW anfallenden, schwermetallbelasteten Galvanikschlämme landen laut Landesumweltamt bereits in Kamp-Lintfort. Die Behandlungsanlage auf dem Eyller Berg würde laut Umweltverträglichkeitsprüfung des TÜV-Süd Dämpfe aus hochgiftigen Kohlenwasser-stoffen und Wässer der höchsten Gefährdungsgruppe entstehen lassen.

Der BUND will in den nächsten Wochen gemeinsam mit dem Naturschutzbund zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung einladen. Bürgermeister Dr. Christoph Landscheidt verwies, um eine Stellungnahme gebeten, auf die bisherige Reaktion.