Über den Tisch gezogen

Ein „klares Nein zu den Deponieplänen" am Eyller Berg kommt von unserem Leser Gerhard Krick.


2002: Vertragliche Vereinbarung der Stadt Kamp-Lintfort mit der Eyller-Berg Abfallbeseitigungsgesellschaft mbH (EBA —Fa. Ossendott). Für das Wohlwollen und die Unterstützung der Stadt verpflichtet sich die EBA zu einer gestaffelten Zahlung von rund einer Millionen Euro und mit einer „Prognose", die Deponie 2016 zu schließen und bis 2020 zu rekultivieren. Die Parteien haben diesem Vertrag zugestimmt.


2006: Vertreter der Stadt besuchen die Räumlichkeiten der Ossendott-Gruppe als führender HightechEntsorger aus Kamp-Lintfort. In einer Pressemitteilung der Stadt heißt es dazu: —..Die Zusammenarbeit und Informationskultur zwischen dem Unternehmen und der Stadt seit dem Vertragsschluss 2002 zeigen, dass die wirtschaftlichen Interessen eines Entsorgungsbetriebes und die berechtigten Umweltbelange und -sorgen der Standortkommune nicht im Gegensatz stehen müssen."


2010: In der Umweltausschusssitzung versichert die technische Beigeordnete Rita Hoff, dass die Stadt sich jetzt vehement für den vertraglich vereinbarten Abschluss des Deponiebetriebes einsetzen wird. Die Parteien stimmten zu.


Nicht dass man mich missversteht, ich finde es großartig, dass die Stadt Kamp-Lintfort sich jetzt sehr für die Einhaltung der vertraglichen Vereinbarungen einsetzt. Sie hat so auch das gesundheitliche Wohl an oberste Stelle gesetzt. Die EBA will augenscheinlich die Deponie über das Jahr 2016 betreiben und mit einer „Abfallbehandlungsanlage" bestücken. Womit kann man schon mehr Geld verdienen als mit Müll und sogar Giftmüll, mit dem niemand etwas zutun, haben will? Der erstaunte Bürger fragt sich, was die vertraglichenVereinbarungen wert sind. Beispiele aus der näheren und weiteren Umgebung zeigen manch zweifelhaftes Verhalten von Deponiebetreibern.

Die technische Beigeordnete Rita Hoff hat eindrucksvoll in der Umweltausschusssitzung zum Ausdruck gebracht, wie sich die Stadt gegen die Pläne der EBA wehren will. Für die Bürger wäre es wichtig gewesen, wenn der Bürgermeister anwesend gewesen wäre. Ich kann es ja verstehen, dass die Verwaltung und die politischen Parteien rund zehn Jahre überzeugt davon waren, wie toll der Vertrag mit der EBA ist. Heute muss man zugeben, dass sie einzelne Teile des Vertrages nicht zur Gänze überblickt haben. Bösen Zungen sagten und sagen immer noch: „Ihr seid über den Tisch gezogen worden!"

Jetzt endlich wehrt sich die Stadt Kamp-Lintfort vehement gegen den Vertrag, nur müssen aber auch die Stadt Kamp-Lintfort, die Bürgerinitiative Eyller Berg und die Stadt Neukirchen-Vluyn auch gemeinsam handeln —hoffentlich nicht zu spät.

Gerhard Krick, Kamp-Lintfort

Leserbrief, Wochenmagazin, 22.9.2010, Abschrift


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