Sofort handeln

Als Anwohner mit unverbauter Sicht auf den „Eyller Giftberg“ sehe ich den Berg täglich wachsen und kann ein reges Verschieben auf höchster Ebene täglich beobachten. Die mittlerweile steilen Abhänge tragen sicherlich nicht zur Sicherung der hochgiftigen Abschüttungen bei. Wenn ich mir ein Bild vom unmittelbaren Umfeld des Berges vor Augen halte – Kindergärten, Grund-, Real- und Hochschule, Anwohner, bis an den Berg reichende Felder mit Lebensmittelanpflanzungen und Nutzvieh – dann frage ich mich, wie verantwortungslos hier mit der Gesundheit der Menschen umgegangen wird.

Viel schlimmer jedoch ist es zu beobachten, wie sich bei gewissen Wetterlagen Gestank und Staubwolken von der Spitze ins Umfeld verflüchtigen. Mit diesem Wissen, dass hier gefährliche Giftstoffe (zum Teil auch krebserregend) offen und oberirdisch verbracht werden, finde ich es höchst gesundheitsgefährdend von den Betreibern, der Aufsichtsbehörde und den Politikern, dass dergleichen überhaupt geschehen kann und darf.

Nach all meinen Bedenken musste ich auf einer Sitzung des Umweltausschusses in Kamp-Lintfort am 9. September erfahren, dass der Vorsitzende den Betreibern Ossendot kein Wort mehr glaubt. Diese Äußerung ist erschreckend, wenn sie im Zusammenhang mit umwelt- und gesundheitsgefährdenden Stoffen steht, und ich kann den Vorsitzenden nur auffordern, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Es muss sofort gehandelt werden – und zwar öffentlich, nicht hinter verschlossenen Türen.


Leserbrief in der WAZ vom 6.10.2010, Jürgen Ritter