Der Kampf geht weiter

Bauer Heinrich Brambosch lebt seit 72 Jahren am Eyller Berg und kämpft weiter gegen die Deponie

von Melanie Kuhlmann.

Lintfort: Eyller Berg | Seit rund eineinhalb Jahren kämpfen die Bürger nahe des Eyller Berges gemeinsam, innerhalb der Bürgerinitiative (BI) Giftmülldeponie Eyller Berg, gegen die dortige Sondermülldeponie. Zeitzeuge Heinrich Brambosch, ebenfalls Mitglied der BI, lebt nahe des Berges und gab dem Wochen-Magazin Auskunft zum aktuellen Stand der Dinge sowie über die Zeit seiner Kindheit, als die Welt am Eyller Berg noch weitestgehend in Ordnung war.

 

Der Vondermannshof an der Eyller Straße in Kamp-Lintfort- am Fuße des Eyller Berges - ist mittlerweile in der vierten Generation im Besitz der Familie Brambosch. Heinrich Brambosch lebt mit seiner Frau immer noch in seinem Geburtshaus, wodurch er den Eyller Berg seit Jahrzehnten kennt und dessen Entwicklungsstadien seit jeher aus nächster Nähe verfolgen kann.

Wenn der Landwirt an die Zeit seiner Kindheit zurückdenkt, dann gestaltet sich die Situation um den Berg noch ganz anders. „Damals wuchsen dort noch viele Bäume, unter anderem Fichten, Buchen und Birken. Diese dienten als Brennholz. Außerdem befanden sich dort zwei Sandkuhlen. Der Sand wurde ebenfalls vom damaligen Besitzer des Berges, der Familie von Eerde, abgegeben,“ schwärmt er.

Mit der Errichtung der städtischen Hausmülldeponie änderte sich die Lage bereits gravierend. Fortan luden dort nicht nur die Kamp-Lintforter Bürger und die städtische Müllabfuhr den Müll ab. Über einige Zeit kamen sogar Müllwagen von außerhalb und entledigten sich dort ihres Unrats.

Doch auch mit dem Aus der städtischen Hausmülldeponie am Eyller Berg änderte sich die Situation keineswegs zum Positiven, denn Mitte der 70-er Jahre eröffneten die Gebrüder Ossendot aus Oberhausen dort die besagte Sondermülldeponie. Seitdem hängen dort, je nach Windrichtung und -stärke, immer wieder unangenehme Gerüche in der Luft, und auch vor undefinierbaren Stäuben sind die Anwohner nicht gefeit. Welche Abfälle dort aktuell tatsächlich abgeladen werden, ist den Bewohnern nicht bekannt.

Wenig verstanden fühlen sich die ansässigen Bürger von den zuständigen Behörden. „Diese interessiert das Problem offensichtlich wenig, und auch von den einzelnen Parteien in der Stadt Kamp-Lintfort erhält man den Eindruck, als seien sie irgendwie befangen“, erklärt er weiter. Für die Zukunft erhofft sich das BI-Mitglied, dass innerhalb des Umweltausschusses alle notwendigen Behörden an einen Tisch gebracht werden, damit sich „endlich etwas ändert“. Als gelungenen Anfang sieht der Anwohner dahingehend den Besuch von Regierungspräsidentin Anne Lütkes am gestrigen Tage. „Ich erhoffe mir von ihrem Besuch, dass sie sich den Berg auch persönlich ansehen wird und sich zudem ein umfassendes Bild davon machen wird wie die ursprünglichen Genehmigungen für diese Müllkippe aussahen und wie diese heute nun tatsächlich aussieht“, so der Landwirt.

Ob und vor allem auch was der Besuch der Regierungspräsidentin schlussendlich für die BI gebracht hat und wie die Mitglieder nun weiter - im Kampf gegen die unakzeptablen Auswirkungen der Sondermülldeponie - verfahren wollen, können Sie kommenden Mittwoch im Wochen-Magazin nachlesen.

Quelle: Wochen-Magazin 26.1.2011