Selbstverschuldetes Problem?

Bürgerinitiative Eyller Berg: Ohne die Stadtgenehmigung zur Erweiterung wäre die Sondermülldeponie schon längst gefüllt

Wolfgang Krause

Kamp-Lintfort. Die Bürgerinitiative Giftmüll Eyller Berg gibt Gas: Im Vorfeld der Sitzung des Umweltausschusses am Donnerstag wiesen sie auf zahlreiche aus ihrer Sicht Ungereimtheiten rund um die Sondermülldeponie an der Stadtgrenze zu Neukirchen-Vluyn hin - und sprachen der Stadt teils Lob, teils Tadel aus.

 

Die Höhe des Müllbergs

An einigen Stellen darf der Berg 53, an anderen Stellen 63 Meter hoch sein. "Wir gehen davon aus, dass der Berg locker um 20 Meter überhöht ist", so Initiativler Otto Sartorius. 2002 wurden so genannte Aufhöhungen von staatlichen Umweltamt Duisburg als "zwischengelagertes Material" eingestuft. Anstatt dies an andere Stellen der Deponie zu bringen, habe es 2002 gar eine Erweiterung der Fläche gegeben, so die Initiative. Gerhard Krick: "Ohne Erweiterung wäre der Eyller Berg schon längst voll. Dann hätten wir keine Probleme mehr."

Die Belästigungen

"Bei Unwettern ist das ganz unheimlich", klagt Hans Evers, der am Fuß der Deponie wohnt. "Da werden vom Berg Dreck und Körner heruntergeweht. Das fühlt sich an wie Sandstrahlen. Bei normaler Wetterlage gibt es eine Geruchsbelästigung." Dieser Dreck liege daran, dass eine Flanke des Berges offen liegen, so Sartorius. "Das ist nicht nachvollziehbar".

Die Messungen

Grobstäube werden derzeit in einem Gefäß gesammelt, ihre Menge gemessen. Kritik der Initiative: Es gibt nur einen Standort, es wird nur einmal im Monat kontrolliert und jetzt bei feuchtem Wetter gebe es ohnehin kaum Staub.

Die Einbeziehung

Obwohl das Landesumweltamt die Stadt gebeten habe, aktiv gewordene Bürgerinitiativen einzubeziehen, sei niemand auf sie zugekommen.

Die Vereinbarung

Nach Einschätzung der Initiative hat die Stadt mittlerweile die Brisanz der Angelegenheit erkannt - und rät in Broschüren von Grundwassernutzung in der Nähe ab. Aber 2002 gab es eine vertragliche Vereinbarung mit dem Betreiber: Erweiterung der Deponie ggen Zahlungen an die Stadt. Sartorius: "Warum nutzt sie das Geld nicht, um Messungen zu bezahlen?"

WAZ, 15.3.2011, Abschrift