Die lokale „Erste Allgemeine Verunsicherung“

von Melanie Kuhlmann aus Kamp-Lintfort | am 23.03.2011

Lintfort: Eyller Berg | Die ansässigen Bürger sind seit Jahren verunsichert. Denn niemand weiß genau, was auf der Sondermülldeponie tatsächlich alles abgeladen wird und ob das eine oder andere möglicherweise gesundheitliche Schäden verursachen kann. Bewiesen ist bis dato nichts, gemunkelt wird reichlich.

 

Einiges ist am Eyller Berg in den letzten Jahren bereits passiert. So wurden beispielsweise Randsteine und Drainagerinnen längs der Deponie befestigt, damit das Abwasser nicht mehr die anliegenden Felder überflutet und Autowaschanlagen für die Deponiefahrzeuge errichtet. Auch in Sachen Grundwasser hat sich einiges getan, denn die Deponie ist mittlerweile mittels spezieller Folien (Kunststoffdichtungsbahnen) insoweit abgedichtet, so dass zumindest keine giftigen Stoffe mehr ins Grundwasser gelangen sollen. Jüngst wurde vor Ort zudem eine so genannte Staubdepositionsmessstelle errichtet, welche fortan als „Sammelmethode für grobe Staubpartikel“ dienen soll. Für manch einen, der genügend Abstand zum dortigen Geschehen hat, mag dies alles schon befriedigend klingen, doch für die Menschen, deren Grundstück unmittelbar an die Deponie grenzt, ist es dies keinesfalls. Sie machen sich in erster Linie Gedanken um ihr Wohl und das ihrer Kinder.

 

Auch Jürgen Bachmann, Elektro-Ingenieur bei der Stadt Moers und Vorsitzender der Grünen in Kamp-Lintfort, wohnt in der Nähe der Deponie und teilt die Sorgen seiner Mitbürger. Seit etlichen Jahren setzt sich der Politiker für die Sorgen und Nöte der Betroffenen ein, denn gerade auch aufgrund seines unmittelbaren persönlichen Bezugs zum „Problem-B(är)erg“ (beides ließ auch die Politik nicht außen vor), kann er diese zweifelsohne gut und gerne nachvollziehen. Großes Unbehagen bereitet dem Kamp-Lintforter insbesondere der Gedanke an die beantragte chemisch-physikalische Abfallbehandlungsanlage. „Wenn diese tatsächlich irgendwann genehmigt werden sollte, ist es fraglich, ob nicht noch Abfälle höherer Gefahrstoffklassen vor Ort abgeladen werden, denn damit ließe sich leider definitiv noch weitaus mehr Profit machen“, so Bachmann. Zudem empfindet er den, maßgeblich durch die Deponie ins Leben gerufenen, regen LKW-Verkehr sehr bedenklich. „Fraglich ist, was im Falle eines Unfalls passieren würde beziehungsweise ob der technische Hilfdienst oder andere Organisationen in der Lage wären, eine derartige Situation unter Kontrolle zu bringen“, erläutert Bachmann.

Um die Situation ein wenig zu entschärfen und die Bürger zumindest etwas zu beruhigen, hat der Politiker einige Vorschläge zur Hand: „Es sollte auf jeden Fall noch einmal eine erneute Anfrage bei der Bezirksregierung erfolgen, in der zum einen auf eine grundlegende Vermessung des Berges beharrt wird, da die Hanglage zum jetzigen Zeitpunkt bereits sehr steil ist. Anhand dessen sollte definitiv festgeschrieben werden, wie viele Tonnen überhaupt noch hinzugefügt werden dürfen.“ Zum anderen wünscht er sich, wie viele seiner Mitstreiter, mehr Messstellen für umherschwirrende Stoffe in der Luft. „Der Bürger hat ein Recht darauf geschützt zu werden“, bekräftigt er seine Forderung. Des Weiteren erhofft er sich unangemeldete Kontrollen. „Durch die Bezirksregierung sollten kontinuierlich Stichproben entnommen beziehungsweise durchgeführt werden, um mehr Aufschluss über die tatsächlich abgeladenen Stoffe zu erlangen“, so Bachmann.

Neben diesen speziellen Ersuchen beschäftigt den Elektro-Ingenieur zudem etwas Grundlegendes, nämlich die Frage, „ob diese Sondermülldeponie überhaupt noch wichtig ist und eine wirkliche Daseinsberechtigung vorweisen kann“. Denn seiner Ansicht nach existieren in NRW „genügend derartige Deponien, die zudem wesentlich weiter von Wohngebieten entfernt liegen, als dies am Eyller Berg der Fall ist“. Grundlegend sieht er die Lösung zur Behebung des Problems einzig und allein darin gegeben, dass sich wirklich alle beteiligten Parteien „an einen Tisch setzen“ und gemeinsam versuchen, zu einer Einigung zu kommen. „Mit dabei sein sollte auf jeden Fall, neben der Bezirksregierung, den Kommunen und der Bürgerinitiative (BI), auch die Eyller-Berg Abfallbeseitigungsgesellschaft selbst“, betont er.

Mit den Worten: „Es müssen dabei endgültig einmal Fakten geschaffen werden. Unabdingbare Fristen zur Rekultivierung sollten gesetzt, und Bußgelder verhängt werden, wenn diese erneut nicht eingehalten werden“, verleiht er seinem Anliegen einen gewissen Nachdruck. Außer Frage steht für den Grünen-Politiker, die BI so gut wie möglich zu unterstützen. „Ich wünsche der BI viel Glück, denn da diese sich intensiv um dieses Problem kümmern kann, dürfte auch eine große Chance bestehen, etwas zu erreichen.“

Seine abschließenden Worte zu dieser Thematik, welche die ansässigen Bürger mit Sicherheit noch länger beschäftigen wird, fallen damit auch nicht allzu verwunderlich aus: „Ein wahrer Segen wäre ein schnelles Ende der Deponie.“

Quelle: http://www.lokalkompass.de/kamp-lintfort/politik/die-lokale-erste-allgemeine-verunsicherung-d50365.html

23.3.2011