Aktive Bürger

Reaktion auf den Artikel „Erste Allgemeine Verunsicherung" in unserer Ausgabe vom 23. März:

Wir freuen uns, dass Jürgen Bachmann die Forderungen der Bürgerinitiative unterstützt. Die gefühlsmäßigen Kategorien „Empfindungen", „Verunsicherung" und „verängstigte Bürger" sind allerdings eine unzutreffende Charakterisierung.

Vielmehr haben sich die Anwohner des Eyller Berges hinreichende juristische und wissenschaftliche Kenntnisse verschafft, um ein sachliches Urteil über Risiken und Gefahren, die von der oberirdischen Deponie giftiger Industrieabfälle ausgehen, fällen zu können.

Die in der Deponie-Verordnung aufgelisteten „zugelassenen Abfallarten" der Gefahrenklasse III lassen keine Zweifel über die Gesundheitsschädlichkeit zu. Quecksilberhaltige Bariumsulfatschlämme, unter anderem „Schwermetalle", verwechseln wir nicht mit weggeworfenen Bonbonpapierchen oder dem entleerten Papierkorb der Chefsekretärin. Kein Industrieunternehmen zahlt grundlos den Aufpreis für giftige Sonderabfälle, wenn er sie wegen ihrer nachweislichen Harmlosigkeit viel kostengünstiger in einer Baustoffdeponie entsorgen könnte.

Und, dass noch immer „nichts amtlich bewiesen" ist, liegt keineswegs daran, dass man in Luft, Boden und Grundwasser trotz intensiver Suche keine giftigen Verbindungen finden konnte. Und auch nicht daran, dass der Betreiber der Deponie entgegen allen sonstigen Gewohnheiten der geschäftlichen Kalkulation, freiwillig umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz von Mensch und Natur ergriffen hätte. Schließlich ist jeder Euro für Sicherheitskonstruktionen Abzug vom bezweckten Gewinn.

Diese unternehmerische Rechnungsweise ist auch dem Staat klar und politisch gewollt. Deswegen ergänzt er die Erlaubnis, Luft, Boden und Wasser zur preiswerten Entsorgung industrieller Abfälle zu benutzen und zu vergiften, um umweltrechtliche Auflagen, Grenzwerte und Kontrollmaßnahmen.

In den vergangenen 30 Jahren des Betriebs haben die Aufsichtsbehörden es allerdings nicht für nötig befunden, den Boden in der Umgebung des Eyller Berges auf gesundheitsschädliche Verunreinigungen zu prüfen. Grundwasser wurde systematisch nicht auf Schwermetalle untersucht.

Da drängt sich der Verdacht auf, dass die zuständige Bezirksregierung im Interesse am ungestörten Geschäft gar kein Interesse hat, die Augenzeugenberichte über regelmäßige Staubentwicklungen wissenschaftlich zu überprüfen.

Ottilie Schwedler

Leserbrief im Wochen-Magazin 13.4.2011