Eyller Berg: Aufforstung verweigert

Bürgermeister Dr. Christoph Landscheidt bezeichnet die Konsensgespräche mit der Abfallgesellschaft als gescheitert

Harry Seelhoff, Kamp-Lintfort

In einem Brief, gerichtet an die Regierungspräsidentin in Düsseldorf, findet Bürgermeister Dr. Christoph Landscheidt klare Worte hinsichtlich des Verhaltens der Eyller Berg Abfallgesellschaft (EBA), was die Rekultivierung der Giftmülldeponie angeht: „Im Gespräch am 12. Juli vertrag die EBA die Ansicht, dass für sie der 1969er Höhenplan nicht bindend sei und keine Verpflichtung bestehe, den Eyller Berg wieder aufzuforsten.“ Sein Fazit: „Da es für mich nicht erkennbar ist, dass die EBA einen Konsens sucht, sehe ich die Konsensgespräche als gescheitert an.“ Der Bürgermeister fährt auf Konfrontationskurs gegen die Abfallgesellschaft.

Dazu gestern Rita Hoff, Technische Beigeordnete der Stadt: „Der Höhenplan von 1969 und die Waldaufforstung sind einzuhalten. Wir verlangen einen Höhenabgleich, um festzustellen, wie viel Volumen auf dem Eyller Berg noch abgeladen werden darf.“ Die Beigeordnete stellt klar, dass die Stadt keinen Sinn in weiteren Gesprächen sieht, solange die Fakten nicht geklärt sind. 

 

Je geringer die Höhe, desto weniger Giftmüll

Die Einhaltung des 1969er Höhenplans ist für die Schließung der Deponie von entscheidender Bedeutung. Je geringer die Höhe, desto weniger Müll kann noch auf die Deponie gekippt werden.

Erst vor kurzem war auf dem Eyller Berg ein Spezialbagger im Einsatz, der die Böschungswinkel veränderte. Laut Bezirksregierung wurden „größere Unebenheiten in der Böschung“ beseitigt, die Oberfläche geglättet. Anwohner aber sagen, dass die Winkel verändert wurden – auch das würde zu weniger Giftmüll auf der Deponie führen.

Im Brief an die Regierungspräsidentin prangert Landscheidt an, dass die EBA das verlangte Rekultivierungskonzept verweigerte. Zudem habe die EBA „nicht die Notwendigkeit gesehen, die betroffenen Behörden über die vorgesehene Endgestaltung des Eyller Berges mit konkreten Endhöhen und Böschungsneigungen zu informieren.“

Es stinkt nach Chemie und zwar gewaltig

Der Bürgermeister geht davon aus, dass die Bezirksregierung Wiederherstellung und Rekultivierung notfalls auf gerichtlichem Weg klären wird. Klärungsbedarf sieht auch die „Bürgerinitiative Giftmülldeponie Eyller Berg“, und zwar was die Geruchsbelästigung angeht. Stets habe, so die Bürgerinitiative (BI) in einem Schreiben, die Bezirksregierung dargelegt, dass es sich um Gerüche aus der Landwirtschaft, nicht aber um chemische Gerüche handele. Die BI schlug vor, die Anwohner sollten Vordrucke ausfüllen, in welcher Form und Intensität es gerochen habe.

Die Redaktion stellte bei einer Begehung rund um den Eyller Berg fest: Es stinkt, und zwar nach Chemie und nicht nach Gülle. Um dies festzustellen, braucht es keine Vordrucke, sondern nur eine Nase und den Willen seitens der Genehmigungsbehörde, dies zu dokumentieren.

WAZ/NRZ 30.07.2011, Abschrift