KOMMENTAR Nun geht’s erst los

Moers, 26.08.2011, Harry Seelhoff

Moers. Die Bürgerinitiative gegen die Giftmülldeponie auf dem Eyller Berg hat einen Erfolg zu melden und darf stolz darauf sein.

Wenn die Bezirksregierung Düsseldorf – Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde für die Deponie – nun auf dem Anordnungswege dem Betreiber seine Grenzen aufzeigt, so ist dies ganz sicher dem öffentlichen Druck zu verdanken, den unter anderem die Bürgerinitiative aufgebaut hat. Bleibt abzuwarten, wie die Abfallgesellschaft reagiert, wenn der Wind urplötzlich von vorne kommt. Denn die Zeiten gegenseitigen Wohlverhaltens, einst vertraglich mit der Stadt Kamp-Lintfort vereinbart, sind vorbei.

Doch wie erfreulich die Kehrtwende der Aufsichtsbehörde auch sein mag, eine Frage muss beantwortet werden: Warum erst jetzt? Deponiekörper zu hoch, Böschungen zu steil, vielleicht sogar die Standsicherheit gefährdet – das kann nicht erst seit gestern so sein und ist es auch nicht. Als Aufsichtsbehörde hat die Bezirksregierung in den vergangenen Jahren offensichtlich versagt. Erst als der Bund für Umwelt und Naturschutz seine Stellungnahme zu der auf der Deponie geplanten Abfallbehandlungsanlage abgab und die Öffentlichkeit informierte, war die Giftmülldeponie auf einmal wieder ein Thema. Übrigens – von einer neuen „chemisch-physikalischen Abfallbehandlungsanlage“ auf dem Eyller Berg redet niemand mehr.

Bevor nicht die Deponie endgültig vermessen ist, dürfte eigentlich kein einziger Kubikmeter Giftmüll mehr auf dem Eyller Berg abgekippt werden. Denn wer garantiert dafür, dass nicht bereits zu viel dort oben liegt? Muss der Berg möglicherweise in Teilen abgetragen werden? Was ist mit den unzähligen Kubikmetern Erdreich, die als Rekultivierungsschicht aufgebracht werden müssten? Ei­nes steht fest: Die Abfallgesellschaft verweigert die Rekultivierung, die Stadt Kamp-Lintfort erklärte die Gespräche längst für gescheitert.

Der Eyller Berg hat durchaus das Potenzial für einen handfesten Umweltskandal. Die Aufklärungsarbeit hat eben erst begonnen.

Quelle: http://www.derwesten.de/staedte/moers/Nun-geht-s-erst-los-id5001535.html, 26.8.2011