Konfrontation oder Schmusekurs?

Moers, 19.09.2011, Harry Seelhoff

Kamp-Lintfort/Neukirchen-Vluyn. Nach der Umweltausschusssitzung am letzten Donnerstag stellt sich die Frage, was in der „Bürgerinitiative Giftmülldeponie Eyller Berg Neukirchen-Vluyn/Kamp-Lintfort“ vorgeht.

Offensichtlich steht die Bürgerinitiative (BI) vor einer Spaltung in zwei Lager: das Kamp-Lintforter und das Neukirchen-Vluyner.

Dass sich die Vorstandsmitglieder nicht mehr grün sind, war in der Ausschusssitzung deutlich zu sehen. Als Otto Sartorius, Sprecher der Kamp-Lintforter Seite, sich erlaubte, den grünen Umweltminister Remmel zu kritisieren, schlug das Neukirchen-Vluyner Vorstandsmitglied, Schriftführerin Karin Behrendt-Bongert, theatralisch den Stift auf den Tisch und packte zusammen. Neben ihr im Ratssaal saß ihr Ehemann, der grüne Ratsherr und stellvertretender Vorstandssprecher der Neukirchen-Vluyner Seite, Herbert Bongert.

Der Vorstand der BI wird von Neukirchen-Vluynern dominiert, aus Kamp-Lintfort stammt allein Otto Sartorius. Den Kampf gegen die Giftmülldeponie führen beide Seiten in völlig unterschiedlicher Manier.

Kein gutes Haar

Hatte Ulrich Blauert, Sprecher der Neukirchen-Vluyner, vor kurzem in einem Pressegespräch erklärt, man sei auf gute Zusammenarbeit mit Stadtverwaltungen und Bezirksregierung aus, so war bei Otto Sartorius davon nichts zu spüren.

Er drängte mit seinen Fragen in der Ausschusssitzung den Kamp-Lintforter Tiefbauamtsleiter in die Ecke und lässt an der Bezirksregierung kaum ein gutes Haar. Es darf vermutet werden, dass der von den Grünen dominierte Neukirchen-Vluyner Teil der BI einer Kritik am grünen Umweltminister und an der grünen Regierungspräsidentin mehr als reserviert gegenüber steht.

Die Chemie zwischen beiden Seiten des Vorstandes scheint nicht mehr zu stimmen, die Stimmung in der BI gegen den Giftberg scheint vergiftet.

Und dies zum ungünstigsten Zeitpunkt, denn der Kampf um den Eyller Berg ist voll entbrannt. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder spaltet sich die BI in zwei Initiativen auf, oder eine Mitgliederversammlung entscheidet möglichst schnell darüber, wer denn nun das Sagen hat. Die Doppelspitze funktioniert definitiv nicht. Die Bürgerinitiative benötigt jetzt dringend eine klare Linie: Konfrontation oder Schmusekurs.

Quelle: 19.09.2011

http://www.derwesten.de/staedte/moers/Konfrontation-oder-Schmusekurs-id5079554.html