An einem Strang ziehen

VON CHRISTIAN SCHROEDER - zuletzt aktualisiert: 03.11.2011

Kamp-Lintfort (RP). Die Mobile Redaktion des Grafschafters stand am Mittwoch auf dem Wochenmarkt im Geisbruch. Leidenschaftlich diskutierten Bürger, Politiker und Stadtverwaltung zum Thema Sondermülldeponie Eyller Berg.

Selten waren sich die Kamp-Lintforter Ratsfraktionen so einig wie beim Thema Eyller Berg. Auch die Bürger kämpfen gegen die Sondermülldeponie. Zusammen mit der Bürgerinitiative (BI) "Giftberg" fordern sie ein Ende der Deponie.

Das zeigte sich gestern eindrucksvoll bei der Diskussion im Rahmen der Mobilen Redaktion der Rheinischen Post auf dem Wochenmarkt im Geisbruch, die RP-Redakteurin Anja Katzke moderierte. Bürgermeister Dr. Christoph Landscheidt und Erster Beigeordneter Dr. Christoph Müllmann wurden nicht müde, die Fragen der Bürger zu beantworten, obwohl sie klar machten, nicht die erste Adresse zu sein.

"Wir als Stadt können nichts Verbindliches tun, um die Deponie zu schließen. Wir können uns nur bei der Bezirksregierung dafür einsetzen", stellte Landscheidt mehrfach vor rund 70 interessierten Zuhörern klar.

Große Empörung

Dabei ist Zuhörer eigentlich das falsche Wort. Bürger, BI-Mitglieder und Politiker diskutierten leidenschaftlich mit. "Die Bezirksregierung soll uneingeschränkt Akteneinsicht in die Unterlagen geben", sagte Heinz Walter Prott, ehemaliger Fraktionschef der FBG. Von der Verwaltung fordert er, "Schluss mit dem Schmusekurs" zur Bezirksregierung zu machen.

Er hat den Eindruck, dass kein wirklicher Widerstand gegen die Planungen um den Eyller Berg besteht. Bürgermeister und Erster Beigeordneter Dr. Müllmann, die eigentlich als Gäste und weniger als Referenten gekommen waren, können die Enttäuschung der Kamp-Lintforter verstehen, versichern aber. "Sie haben uns auf Ihrer Seite."

BI-Sprecher Ulrich Blauert aus Neukirchen-Vluyner forderte die Zuhörer auf, selbst an die Regierungspräsidentin Lütges zu schreiben, ihr mitzuteilen, dass die Kamp-Lintforter sich Sorgen um ihre Gesundheit machen. Auch wird in den vorgefertigten Briefen der BI, die gestern reißenden Absatz fanden, eine zentrale Informationsstelle verlangt. Die Stadt versprach ihrerseits, im Internet Messergebnisse und andere Akten zum Eyller Berg zu veröffentlichen.

Rechtliche Möglichkeiten

Über eine Stunde wurde diskutiert. Dabei ging es teilweise sehr ins Detail, und nicht immer war man ganz einer Meinung. Heinz-Günter Platen, SPD-Ratsherr, brachte die Diskussion wieder auf den Punkt: "Wir müssen alle zusammen an einem Strang ziehen." Rechtliche Möglichkeiten, die Deponie Eyller Berg (jetzt) zu schließen, gäbe es nicht. "Wir müssen deshalb immer wieder den Finger in die Wunde legen. Die Bezirksregierung muss die Empörung aller Kamp-Lintforter spüren." Die FPD-Landtagsfraktion werde eine kleine Anfrage zum Thema im Landtag stellen, so der Kamp-Lintforter FDP-Fraktionsvorsitzende Schube. "Wir fordern, dass der Druck auf die Bezirksregierung erhöht wird."

Gärten gesucht

Die Bezirksregierung und das Landesamt für Natur (Lanuv) bitten Kamp-Lintforter Bürger darum, ihre Nutzgärten und darin noch vorhandenes Blattgemüse für eine Probe zur Verfügung zu stellen. Zuerst waren bei Staubmessungen erhöhte Bleiwerte festgestellt worden, dann auf der Maispflanze und zuletzt bei Bodenproben. Nun soll geprüft werden, ob auch Gemüse zu viel Blei enthält. Ansprechpartner ist Jürgen Roosen, Tel. 02 42 91 23 81. Infos auch beim Lanuv unter Tel. 02 01 79 95 12 11.

Quelle: http://www.rp-online.de/niederrhein-nord/moers/nachrichten/an-einem-strang-ziehen-1.2537776 am 3.11.2011