Düsseldorf beschwichtigt

Bürgerinitiative empört über Bezirksregierung: Genehmigungsverfahren der Giftmülldeponie könne nicht ausgesetzt werden

Harry Seelhoff

Kamp-Lintfort. Auf eine Pressemitteilung der Bezirksregierung Düsseldorf zur Giftmülldeponie Eyller Berg reagiert die Bürgerinitiative (BI) mit Unverständnis und Empörung.

BI-Vorstandssprecher Ulrich Blauert attestiert der Pressemitteilung einen fast „beschwichtigenden Charakter". Unter anderem erklärt die Bezirksregierung, dass das Genehmigungsverfahren für eine chemisch-physikalische Abfallbehandlungsanlage - trotz der massiven gegen die EyllerBerg Abfallbeseitigungsgesellschaft mbH (EBA) erhobenen Vorwürfe - nicht ausgesetzt werden könne.

 

„Glaubt wirklich jemand, die kürzlich aufgenommenen Filmaufnahmen mit der gezeigten Staubentwicklung und das sichtbare Fehlen von lokalen Geräten zur Staubbindung wären ein Einzelfall?", fragt Blauert. „Noch ist nur in sehr wenigen Einzelproben überhaupt nach toxischen Stoffen gesucht worden - anscheinend ist sogar Cadmium gefunden worden. Wir fordern hiermit nochmals ausdrücklich, dass eine zentrale Informationsstelle zu allen Belangen eingerichtet wird und die Bevölkerung dort zentral und verständlich exakt darüber informiert wird, wie die Suche nach weiteren Giftstoffen in der Umwelt genau ablaufen soll."

Und weiter: „Die Eigenüberprüfung der Betreiberfirma halten wir unter den gegebenen Umständen für nicht länger tragbar. Die Arbeiter auf der Deponie sollten nach unserer Einschätzung von unabhängigen Fachleuten auf mögliche Giftstoffe im Blut untersucht werden. Schon wieder ist ein Betriebsarzt die Anlaufstelle für dieses Thema."

Die Argumentation, dass bei erwiesener Unzuverlässigkeit der Betreiberfirma die geplante Umarbeitungsanlage dennoch genehmigt werden müsste, sei skandalös, so Ulrich Blauert: „Wenn wir dies richtig verstanden haben, könnte also ein ,Strohmann' einfach die Sache übernehmen und weiter geht es."

 

Quelle: WAZ/NRZ 10.11.2011