Weht Envio-Gift vom Eyller Berg?

Der Umweltausschuss wurde zum Bürgerforum. Anwohner, Bürgerinitiative, Verwaltung und Politik stehen zusammen

Wenn sich über die Sondermülldeponie Eyller Berg etwas Gutes sagen lässt, dann dies: Sie schweißt die Kamp-Lintforter zusammen. Die Sitzung des Umweltausschusses am Donnerstag war gewissermaßen eine Lehrstunde in Demokratie – der Tagesordnungspunkt „Fragestunde der Einwohner“ entwickelte sich zu einer lebhaften Diskussion zwischen Einwohnern, Bürgerinitiative, Verwaltung, Politikern und Experten. Das gemeinsame Ziel lautet: die Missstände am Eyller Berg aufarbeiten, beenden und die Deponie schließen.

Auf völliges Unverständnis aller Anwesenden stieß die Tatsache, dass die Bürgerinitiative gegen den Eyller Berg nicht zu einem Gespräch eingeladen wurde, welches am 18. November bei der Bezirksregierung stattfindet. Im Ratssaal wurde mehrfach ein Vergleich zwischen dem Eyller Berg und dem Envio-Giftskandal in Dortmund gezogen.

Claudia Baitinger, Expertin des BUND, verfügt über die Ergebnisse von Proben, die an drei Stellen von landwirtschaftlichen Produkten aus der Umgebung des Eyller Berges genommen wurden. Ihr Fazit: Zwar liegen nur die Bleiwerte extrem über dem Limit, jedoch sind an den Proben, die in der Hauptwindrichtung des Eyller Berges genommen wurden, die Messwerte für Dioxin und das Envio-Gift PCB wesentlich höher.

Dies sei, so Baitinger ein Indiz dafür, dass vom Eyller Berg noch ganz andere Gesundheitsgefahren ausgingen als die bereits festgestelltem bleihaltigen Stäube. Die Bürgerinitiative fordert – nicht zum ersten Mal – die Bezirksregierung auf, Deponie-Mitarbeiter medizinisch untersuchen zu lassen und die Deponie sofort zu schließen.

Harry Seelhoff

WAZ 11.11.11