Bürger fordern Beteiligung

Eyller Berg: Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Bezirksregierung läuft. Bürgerinitiative beim Gespräch ausgeladen

Harry Seelhoff

Kamp-Lintfort. Die Bezirksregierung muss gegen die Eyller-Berg Abfallbeseitigungsgesellschaft vorgehen- so lautete eine der Forderungen in der Umweltausschusssitzung am Donnerstag.

Dass die Anordnungen der Düsseldorfer Aufsichtsbehörde lediglich Auswirkungen auf die Zukunft haben, wurde als „Schlag ins Gesicht der Bürgerinitiative" bezeichnet. Die Geduld der Bürger scheint am Ende. So wunderte es nicht, dass rigoroseres Vorgehen gefordert wurde: Man müsse, wenn nötig, die Bezirksregierung mit Klagewellen unter Druck setzen, ja vielleicht sogar die Einfahrt zur Sondermülldeponie blockieren.

Es wird mit zweierlei Maß gemessen

Die Tatsache, dass die Bürgerinitiative beim Gespräch am nächsten Freitag nicht mit am Tisch sitzen darf, empört nicht nur deren Mitglieder. Ulrich Blauert, Sprecher der Bürgerinitiative gegen den Giftberg, nahm kürzlich an einem Werkstattgespräch bei der Bezirksregierung teil. Tenor: Gesellschaftliche Veränderungen der letzten Jahrzehnte treffen auf alte Gesetze. Es sei deutlich gemacht worden, so Blauert, dass „Planungsverfahren mit den Bürgern auf Augenhöhe und ergebnisoffen diskutiert werden sollten". Doch davon ist in Sachen Eyller Berg wenig zu spüren.

Dass das Planungsverfahren bezüglich der Abfallbehandlungsanlage am Eyller Berg ergebnisoffen geführt wird, kann auch die Stadt Kamp-Lintfort sicher nicht behaupten.

Bürgermeister will das nicht länger hinnehmen

Die Diskussion mit der Bezirksregierung über die Frage, welches die richtige Rechtsgrundlage zur Genehmigung ist, sei „mittlerweile nicht mehr nachvollziehbar undletztendlich auch nicht hinnehmbar", so Bürgermeister Dr. Christoph Landscheidt. Die größte Sorge der Stadt sei es, dass sich am Eyller Berg „für einen nicht näher zu bestimmenden Zeitraum oder schlimmstenfalls dauerhaft ein Deponiestandort mit einer Abfallbehandlungsanlage verfestigt".

Derweil sorgen sich die Anwohner um die Gesundheit ihrer Kinder, die auf oder in möglicherweise bleiverseuchtem Boden spielen.

WAZ 12.11.2011