Auszüge aus der Stellungnahme von Herrn Michael Lefknecht aus Dez.2011

Herr Lefknecht ist Arzt für Allgemeinmedizin und Umweltmedizin

 

Sehr geehrter Herr Blauert,

Sie baten mich zur Frage von Messungen von Schwermetallen und anderen Stoffen im menschlichen Körper Stellung zu nehmen.

Grundsätzlich gebe ich zu bedenken, dass man immer sehr genau beachten muss, um welchen Stoff es sich handelt, wie er sich im menschlichen Körper verhält und wie er ausgeschieden wird. Und man muss bedenken, dass das Blut als Transportsystem des Körpers ähnlich wie unsere Autobahnen frei gehalten wird, um die Logistik aller Zellen zu gewährleisten. So wird z.B. der pH-Wert des Blutes, der Säuregehalt, im Normalfall in sehr engen Grenzen konstant gehalten, um den reibungslosen Transport und gute Fließeigenschaften zu gewährleisten.

Am Beispiel Blei kann man sehr gut zeigen um was es geht:

Oft wird Pb = Blei in der Arbeitsmedizin nur im Urin bestimmt oder im Blutserum. Dabei stellt man regelmäßig relativ geringe Werte fest. Wie aus den Unterlagen, die Ihnen Frau Dr. Volz zur Verfügung gestellt hat hervorgeht, müsste man im Blut zumindest sog. Vollblutuntersuchungen veranlassen. Denn der Bleigehalt in den roten Blutkörperchen repräsentiert relativ gut den Gehalt im Gewebe, in das besonders die toxischen Schwermetalle verschoben und abgelagert werden, um die „Autobahn“ frei zu halten. Um jedoch einen Eindruck zu bekommen, wie beladen diese Körperdepots im Bindegewebe rechts und links der Straßen sind, müsste man sogenannte Mobilisationstests durchführen. Das wird aber in aller Regel nicht gemacht.

Am Beispiel PCB, einer organischen Substanz, die zu 90% über die Nahrung aufgenommen wird, wird ebenso deutlich, wie schwer diese Materie ist. Aus den über 200 Kongeneren = verschiedenartigen PCB’s werden routinemäßig nur 6 bestimmt! Es käme also darauf an, welches Kongenerenmuster die Abfälle auf dem Berg haben und ob man diese Stoffe in den Bodenproben und im Menschen wieder findet. Ansonsten wird die Routineuntersuchung der 6 Kongenere gemacht, die fast immer den Bundesdeutschen Durchschnitt wiedergibt und damit am Problem vorbeischaut.

Da Ihnen als Bürgerinitiative und auch den Anwohnern wie auch der Kommune in aller Regel die Kenntnis über diese komplizierten Zusammenhänge fehlt und zudem von interessierter Seite oft auch noch mittels teurer Gutachten zur Verschleierung beigetragen wird, rate ich Ihnen dringend, für die Durchführung der Begutachtung im Konsens aller Beteiligten ein neutrales Institut außerhalb NRW’s zu bestimmen, das ein Konzept für diese Messungen aufstellt und auch entsprechende Messinstitute beauftragt. Aus meiner Erfahrung kann nur so zu einer fundierten und berechtigten Befriedung der Situation beigetragen werden. Dazu gibt es gute Beispiele:

1. Das Dioxinmessprogramm in Duisburg nach dem Dioxinunfall im Duisburger Süden. Dabei finanzierte das Umweltministerium eine Fachberatung für die Bürgerinitiativen mit damals 50.000 DM.

2. Die aktuell laufenden Vinylchloridmessungen im Umfeld der Fa. Solvay in Rheinberg, bei denen Betreiber, Stadt und drei Initiativen sich auf das Öko-Institut Darmstadt als begleitendes Institut geeinigt haben. Dieses entwarf das Messkonzept, schlug das Messinstitut vor und leitet die Bewertung der Ergebnisse. Die Kosten des gesamten Programms von an die 100.000€ trägt die Solvay.

Nur durch ein so offenes und öffentliches Verfahren ist auch Vertrauen in die Ergebnisse zu erzielen. Das gilt für alle Seiten. Ich warne vor voreiligen Messkampagnen die z.T. mehr verschleiern als das sie aufdecken, viel Geld kosten das zum Fenster heraus geschmissen ist weil die eine oder die andere Seite das Ergebnis hinterher nicht anerkennt. Die Bürger brauchen aber einen fachlichen Beistand, der vom Verursacher oder vom Land bezahlt werden muss.

 

Ich hoffe Ihnen mit diesen Ausführungen gedient zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen

 

Michael Lefknecht