Gilt der Höhenplan?

Der Eyller Berg steht weiter unter Beobachtung: Die Bürgerinitiative Eyller Berg hat nicht nur einen Fachanwalt für Umweltrecht eingeschaltet. Sie ließ auch den Abschlussbericht des Lanuv prüfen.

Von Anja Katzke

KAMP-LINTFORT. Die Bürgerinitiative hat einen Chemiker in Hilden mit der Prüfung des Abschlussberichts des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) zu den diversen Messergebnissen am Eyller Berg beauftragt: „Er hat ein Gutachten erstellt, aus dem sich für uns weitreichende Schlüsse ziehen lassen, vor allem was die Dauer und Intensität der Umweltbelastungen angeht", resümierte Ulrich Blauert, Sprecher der Bürgerinitiative, gestern das Gutachten. „Er geht von langjährigen Luftbelastungen mit Blei insbesondere im östlichen Teil der Deponie aus", sagte Blauert. Es müsse schon in der Vergangenheit eine wesentlich höhere Kontamination stattgefunden haben. „Wir haben dieses Gutachten dem Lanuv zugesandt und erwarten eine Stellungnahme." Wie berichtet, hat die Bürgerinitiative in Kooperation mit Unternehmern in Kamp-Lintfort einen Fachanwalt für Umweltrecht eingeschaltet. Er soll die Genehmigungen zum Höhenplan von 1969 überprüfen. „Wir wollen geklärt wissen, ob die Bezirksregierung diesen Plan irgendwann einmal relativiert hat oder ob er nach wie vor rechtsgültig ist", erklärte Ulrich Blauert das Ansinnen.

Dienstaufsichtsbeschwerde

Aus Sicht von Blauert und seinen Mitstreitern entspricht der Eyller Berg nicht mehr dem Geländeprofil des Höhenplans von 1969. „Wenn die Einmessung des Berges unsere Einschätzung bestätigt, dass mehr Giftmüll als erlaubt abgeschüttet wurde, ist der Betrieb der Deponieunserer Meinung nach nicht mehr legal. Und das könnte dazu führen, dass wir strafrechtliche Schritte gegen den Betreiber und die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde einleiten werden", zog der Sprecher der Bürgerinitiative ein Fazit. Deshalb hat die Einmessung des Berges für die Initiative oberster Priorität.

Doch auch die Vorgänge auf dem Eyller Berg will die Bürgerinitiative weiterhin aufmerksam beobachten. „Die Anordnung der Bezirksregierung, die offenen Bereiche abzudecken, erfolgt nicht in dem Umfang, wie es vorgeschrieben wurde", hat Ulrich Blauert festgestellt.

Fotos, die der Initiative zugespielt wurden, würden belegen, dass weitere Flächen überhaupt nicht abgedeckt und weiterhin der jeweiligen Witterung ausgesetzt seien.

Überwachung der Deponie

„Das heißt: Die Überwachung der Deponie funktioniert nicht. Die Bezirksregierung in Düsseldorf hat zugeschaut, wie der Eyller Berg wächst. So nicht“, schimpft Blauert. Die Anwort von Umweltminister Johannes Remmel auf die Dienstaufsichtsbeschwerde steht laut Blauert immer noch aus.

INFO

Forderungen

Die BI fordert, dass das Lanuv sein Untersuchungsprogramm ausweitet. Es müsse bis zum Grundwasser geprobt werden, weil sich viele Stoffe in tieferen Bereichen auswaschen würden. Außerdem müsse die Bezirksregierung den Anwohnern eine spezielle Blut- oder Urinuntersuchung durch einen Umweltmediziner anbieten. Nur durch dieses Verfahren ließen sich Giftstoffe im Körper nachweisen.

Quelle: Rheinische Post, 30.12.2011