Eyller Berg braucht Grundwasser

06.01.2012 | 18:07 Uhr

Eyller Berg braucht Grundwasser

Anträge für Entnahme von rund 270 000 Kubikmetern jährlich zur Berieselung von Straßen, Wegen und Giftmüll gestellt.

Der Betreiber der Giftmülldeponie Eyller Berg, die Eyller-Berg Abfallbeseitigungsgesellschaft, hat kürzlich drei Anträge auf die Entnahme von Grundwasser gestellt: Es werden knapp 270 000 Kubikmeter zur Berieselung des Deponiekörpers sowie von Straßen und Wegen benötigt, was etwa der Wassermenge von 450 Schwimmbädern entspricht. Für Ulrich Blauert, Vorstandssprecher der Bürgerinitiative ge­gen die Giftmülldeponie, ist das so etwas wie ein Schuldeingeständnis.

Diese Wassermenge soll aus drei Brunnen entnommen werden. Claudia Baitinger, Expertin für Technischen Umweltschutz des BUND, hatte im Zusammenhang mit diesen Anträgen der Bezirksregierung Düsseldorf einen Fragenkatalog vorgelegt. Sie interessiert nicht nur, ob eventuell noch weitere Entnahmegenehmigungen existieren, sondern auch, was mit dem Sickerwasser passiert und wo und wie es aufbereitet wird.

Schuldeingeständnis nach jahrelanger Untätigkeit

Für Blauert stellen die Anträge des Deponiebetreibers so etwas wie das Schuldeingeständnis dar, in der Vergangenheit die Berieselung zur Bindung umweltschädlicher beziehungsweise giftiger Stäube unterlassen zu haben.

Für die Linksniederrheinische Entwässerungs-Genossenschaft (Lineg) stellt das Sickerwasser der Deponie kein Grund zur Besorgnis dar. Selbst die Gesamtmenge von 270 000 Kubikmetern brächte keine Probleme für die Lineg-Kläranlage, alle Einleitungen würden ständig kontrolliert.

Zudem erhebt Blauert weitere Vorwürfe gegen Deponiebetreiber und die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde für den Eyller Berg: „Die Winkel der Böschungen stimmen nicht“, so Blauert – was bedeutet, dass viel mehr Giftmüll aufgeschüttet worden sein müsste als erlaubt. Auch die teilweise vorgenommene Abdeckung der Deponie sei alles andere als vorschriftsmäßig. Blauert: „Und diese Behörde gibt eine Erklärung heraus, dass alles in Ordnung ist?“

Die Bürgerinitiative arbeitet seit kurzem, finanziell unterstützt von Unternehmen aus Kamp-Lintforter, mit einem Fachanwalt für Umweltrecht zusammen. Dieser komme, so Blauert, zu dem Ergebnis, dass die Bezirksregierung mehr ge­gen die Giftmülldeponie und die geplante Abfallbehandlungsanlage unternehmen könne, wenn sie nur wolle.

Zwei Fotos, die das Wachsen des Eyller Berges dokumentieren: Wie die Bürgerinitiative gegen den Giftberg mitteilte, zeigt das untere die Situation im Jahr 2003, das obere hingegen die in 2011.

Dieses Foto wurde der Redaktion im Dezember zugespielt. Es soll die „Beregnungsanlage“ so zeigen, wie sie sich im gleichen Monat auf der Sondermülldeponie Eyller Berg präsentierte.

Harry Seelhoff

Quelle: http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-moers-kamp-lintfort-neukirchen-vluyn-rheurdt-und-issum/eyller-berg-braucht-grundwasser-id6220988.html

Fotos: Privat