"Zur Not ketten wir uns an"

VON PETER GOTTSCHLICH - zuletzt aktualisiert: 26.04.2012

Moers (RP). Die Bürgerinitiative Eyller Berg hat einen neuen Vorstand: Bernd Schmitz ist jetzt neben Ulrich Blauert der zweite Sprecher. Wenn die Initiative bei der Mediation nicht dabei sein darf, ruft sie zu Protestaktionen auf.

Die Bürgerinitiative (BI) Giftmülldeponie Eyller Berg hat wieder zwei Sprecher: neben Ulrich Blauert Bernd Schmitz. Beide wurden bei der Mitgliederversammlung der BI am Dienstagabend einstimmig per Akklamation gewählt. Zu stellvertretenden Sprechern wurden Herbert Bongert und Margarete Leonis ernannt.

Dem Vorstand gehören außerdem Karin Behrendt-Bongert als Schriftführerin und Kirsten Peters als Kassiererin an. Bei der Versammlung war deutlich zu spüren, dass die BI, die vor allem aus Rayenern besteht, stärker in Kamp-Lintfort aktiv werden will. So fand die Versammlung in der Hochschulstadt statt, genauer gesagt im katholischen Gemeindehaus Gestfeld an der Rundstraße.

 

Dementsprechend kamen rund die Hälfte der anwesenden 35 Mitglieder aus Kamp-Lintfort. Und mit Bernd Schmitz wurde wieder ein Kamp-Lintforter zum gleichberechtigten Sprecher gewählt. Der 67-jährige, der früher im Anlagenbau tätig war, gehört zu den wenigen Aktiven der BI, die nicht in der Nähe des Eyller Berges wohnen, sondern im entfernten Niersenbruch. "Ich finde es schamlos, wie die Bezirksregierung mit der Bürgerinitiative umgeht", begründet Bernd Schmitz sein Interesse, aktiv zu werden.

Gern bezeichnet er sich als Praktikant, da er das letzte halbe Jahr von Ulrich Blauert auf die Aufgabe als Sprecher vorbereitet wurde. Die Initiative setzt bei ihrer Aktivitäten drei Schwerpunkte. Zum einen will sie in Kamp-Lintfort bekannter werden. Deshalb soll in den nächsten Wochen ein Flugblatt der BI flächendeckend an alle Haushalte verteilt werden.

Den finanziellen Aufwand dafür kann die BI tragen, denn die Kasse ist mit fast 6000 Euro (Stand Dezember 2011) gut gefüllt. "Noch besser als ein Flugblatt ist natürlich die persönliche Ansprache", unterstreicht Ulrich Blauert. Zweiter Schwerpunkt ist der Kampf gegen das Mediationsverfahren, das sich zwischen der Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde und der Eyller Berg Abfallgesellschaft (EBA) als Betreiberin abzeichnet.

Es ist ein außergerichtliches Schlichtungsverfahren. Konkret würde es vor allem um die Höhe des Eyller Berges gehen, die die EBA überschritten haben soll und die Bezirksregierung nicht ausreichend kontrolliere. "Wir haben nichts gegen ein Mediationsverfahren", betont Blauert. "Allerdings müssen die Betroffenen mit am Tisch sitzen. Die Öffentlichkeit muss hergestellt sein." Dritter Schwerpunkt sind Aktionen des "zivilen Ungehorsams".

Es sprachen sich zum Beispiel Mitglieder dafür aus, vor der Einfahrt zur Deponie zu demonstrieren und sich an den Eingangstoren fest ketten zu lassen, um überregional Medieninteresse zu wecken. "Wenn es zur Mediation ohne unsere Beteiligung kommt, laden wir zu einer Sondersitzung ein, um den zivilen Ungehorsam zu organisieren", so Blauert.

Auch wolle die BI wieder bei der Umweltausschusssitzung am 10. Mai, 15 Uhr, im Rathaus dabei sein.

Info

Höhe fraglich

Der Eyller Berg sollte ursprünglich so angeschüttet werden wie er einmal vor seiner Auskiesung und Wiederverfüllung ausgesehen hat. Die Höhen dazu sind in einem Höhenplan aus dem Jahr 1969 festgelegt. Die Bürgerinitiative schätzt, dass der Eyller Berg rund vier Meter höher aufgeschüttet ist. Infos unter: www.giftberg.de

26.04.2012

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