Also doch: Giftberg ist zu hoch

Stadt führt Bezirksregierung vor und präsentiert Einmessung der Mülldeponie

Von Harry Seelhoff

Kamp-Lintfort. Ist die Giftmülldeponie Eyller Berg zu hoch? Liegt dort viel mehr giftiger Abfall, als es eigentlich sein dürfte? Wer sich den Berg ansieht, für den ist's mehr Gewissheit denn Vermutung. Aber offiziell - offiziell existierte keine Einmessung. Die Bezirksregierung Düsseldorf rückt die Daten nicht raus, da sie Teil eines gerichtlichen „Mediationsverfahrens" sind. Damit konnte und wollte sich Jürgen Roosen von der Stadt Kamp-Lintfort nicht abfinden: Gestern legten er und der Erste Beigeordnete Dr. Christoph Müllmann in der Umweltausschusssitzung die Fakten auf den Tisch.

Als vor einiger Zeit in einer Sitzung das Wort „Laserscanning" fiel, ließ dies Jürgen Roosen keine Ruhe. Sollten irgendwo die Daten über die Höhen des Eyller Berges existieren? Roosen wurde bei der Bezirksregierung Köln fündig: Er fand dort das offizielle Ergebnis einer Überfliegung des Eyller Berges im Januar 2011. „Findige Mitarbeiter unseres Hauses haben die Höhen berechnet", erklärt Christoph Müllmann sichtlich stolz. Das Ergebnis: Im nördlichen Teil ist die Giftmülldeponie sieben Meter, im südlichen Teil 9,5 Meter zu hoch. Und auch die Böschungswinkel sind viel zu steil.

Müllmann: „Das ist ein Erfolg im Kampf um die Schließung der Deponie." Die Stadt fordert von der Bezirksregierung, eine Mengenbilanz des Giftberges zu erstellen -mit anderen Worten: Vielleicht ist die Deponie längst voll und müsste geschlossen werden. Besondere Brisanz gewinnen die Fakten hinsichtlich der vom Deponiebetreiber Ossendot beantragten chemisch-physikalischen Abfallbehandlungsanlage: Wozu die noch genehmigen, wenn sie für die Auffüllung der Deponie gar nicht mehr gebraucht wird?

Müllmann und Roosen wissen, dass es um Geld geht. Um Millionen. Jeder Kubikmeter abgekippter Giftmüll bringe dem Betreiber ein paar Hundert Euro, und die Jahresmenge ginge in die Zehntausende.

In der Ausschusssitzung bezogen die Vertreter der Bezirksregierung Prügel von allen Seiten: Stadtverwaltung, Ratsmitglieder und vor allem die Mitglieder der Bürgerinitiative gegen den Eyller Berg sparten nicht mit massiver Kritik an der Arbeit der Aufsichtsbehörde.

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Quelle: WAZ/NRZ 11.05.2012 (Abschrift)