Scharfe Töne beim Sternmarsch

VON STEFAN GILSBACH - zuletzt aktualisiert: 24.08.2012

Kamp-Lintfort (RP). Rund 200 Menschen nahmen gestern an einer Demonstration gegen die Deponie Eyller Berg teil. Zwei Protestzüge trafen sich vor dem Tor des Geländes. Der Bürgermeister übte in einer Rede harte Kritik an Entscheidungsträgern.

Es war gegen 15.45 Uhr, als Lutz Malonek durchs Megafon das Signal zum Aufbruch gab. "Ossendot wartet schon auf uns", rief der Vorsitzende des Interessengemeinschaft Endlager Mensch.

Daraufhin setzten sich rund 150 Demonstranten, die sich am Kreisverkehr Eyller Straße/Bürgermeister-Schmelzig-Straße versammelt hatten, in Bewegung – mit Transparenten und roten Karten, die man der Firma Ossendot, den Betreibern der umstrittenen Deponie Eyller Berg, vorhalten wollte. Vorneweg zogen die Kinder mit Trillerpfeifen. Manche Bürger beobachteten die Demo vom Straßenrand und spendeten Beifall.

Ein kleinerer Zug mit Menschen aus Rayen und Rheurdt, die sich ebenfalls Sorgen über Giftbelastung durch die Mülldeponie machen, brach von der Landschänke "Zur Grenze" auf. Beide Züge trafen sich vor dem Tor zur Deponie. "Wir schätzen die Anzahl der Teilnehmer insgesamt auf 200 Personen", sagte Bodo Deja, Leiter der Polizeiwache Kamp-Lintfort. Der Erste Polizeihauptkommissar war eine von zehn Beamten, die mit fünf Wagen und zwei Motorrädern den Protestzug sicherten.

Sicher ist, dass der Widerstand gegen einen Weiterbetrieb der Deponie vor Ort breite Unterstützung hat. Neben Bürgermeister Dr. Christoph Landscheidt (SPD) waren auch die Beigeordneten Dr. Christoph Müllmann und Thorsten Nothoff erschienen. SPD-Landtagskandidat René Schneider war ebenso gekommen wie die CDU-Kreistagsabgeordnete Hannelore Wolff-Küppers.

Ebenso an dem Zug teil nahmen Vertreter von FDP und Bündnis 90/Grünen. Johannes Tuschen, Fraktionschef der Grünen, sah es als keinen Widerspruch, dass er gegen die Deponie demonstrierte, deren Erhalt nach Auffassung der Kritiker nicht zuletzt durch die grüne Regierungspräsidentin liegt. "Dieses Problem ist 50 Jahre alt", sagte Tuschen. Man könne es nicht Anne Lütkes zur Last legen, die erst seit Jahren im Amt sei.

Das sah der Bürgermeister anders. Als die beiden Züge sich vor dem Tor der Deponie vereinigt hatten, hielt Landscheidt eine sehr deutliche Ansprache. So bezeichnete er den Umgang der Bezirksregierung mit dem Problem als "nicht akzeptabel". Was den Betreiber Ossendot angehe, so Landscheidt, wolle er dessen Benehmen lieber nicht kommentieren.

Quelle: http://www.rp-online.de/niederrhein-nord/moers/nachrichten/scharfe-toene-beim-sternmarsch-1.2963739