Umweltminister besucht Grüne

VON SABINE BONGERS-RÖMER

KREIS WESEL Bei der Kreismitgliederversammlung von Bündnis 90/ Die Grünen wurde im Weseler Lippeschlösschen schon am Freitagabend über den Sonntagsbraten diskutiert. „Wo ist unsere Perspektive für gesunde Ernährung?", fragte Johannes Remmel (52). Der Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen erläuterte die Ergebnisse der im Juli vorgestellten Studie über die Geflügelmast. Sie belege, dass das Antibiotika-Problem in Mastbetrieben weitaus größer ist als angenommen. Die Meinung der Grünen war eindeutig: Es sollen weniger Antibiotika eingesetzt werden.

Damit die Hähnchenmast bald antibiotikafrei ist, müssten Verbraucher und Politiker zusammenarbeiten. Eigenkontrollen, ein überarbeitetes Baugesetz, das keine „Agrarfabriken" mehr fördere, und bessere Kennzeichnungen könnten ein Ansatz sein. Ebenso wichtig sei es, genetische Vielfalt zu sichern und auf „Qualzuchten" zu verzichten. „Die Milchviehbetriebe könnten ein Beispiel sein", sagte Joseph Wissing vom Kreisverband Borken.

Heftig diskutiert wurde der Bericht des Ortsverbandes Neukirchen-Vluyn über die Deponie Eyller Berg. Auf der Sondermülldeponie soll eine Abfallbehandlungsanlage gebaut werden. Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn sowie der Kreis Wesel und die Bürgerinitiative lehnen die Anlage ab. Der Konflikt ist rechtlich komplex. Derzeit läuft ein „Mediationsverfahren" am Oberverwaltungsgericht zwischen Deponiebetreiber und Bezirksregierung. Dass dies §hinter verschlossenen Türen" geschieht, ist für Herbert Bongert (Neukirchen-Vluyn) unverständlich: „Es scheint, als werde der Deponiebetreiber bevorteilt." Er fordert mehr Transparenz. Remmels Position ist klar: „Die Deponie muss so schnell wie möglich geschlossen werden."

Es wurden noch keine Direktkanidaten für die Bundestagswahl im nächsten Jahr ernannt. Die Direktkandidaten sollen am 26. Oktober gekürt werden. Gewählt wurde dennoch. Malte Kemmerling (20) spontaner Entschluss, sich zur Abstimmung zu stellen, wurde belohnt. Der junge Dinslakener wurde mit 37 von 40 Stimmen zum Delegierten für den Landesparteirat gewählt. Mit absoluter Mehrheit wurde auch Elisabeth Füllgraf (60) aus Voerde zu Delegierten gewählt.

Quelle: Rheinische Post, 17.09.2012