Grüne?

Was ist bloß aus den Grünen geworden? In Kamp-Lintfort sind sie in der Versenkung verschwunden, ließen sich in Düsseldorf nicht blicken, fielen bei der Anhörung in Moers nicht auf. Wer sich fragt, ob die Grünen überhaupt noch eine Umweltpartei sind, der muss sich nur das Verhalten des NRW-Umweltministers anschauen, um diese Frage zu verneinen.

Selbst wenn man unterstellt, dass Johannes Remmel juristisch die Hände gebunden sein könnten, so vermissen die Kamp-Lintforter doch eines schmerzlich: den politischen Willen. Unternehmen Minister und grüne Regierungspräsidentin wirklich alles, um die Giftmülldeponie schnellstmöglich dicht zu machen? Vor Ort glaubt niemand, dass überhaupt etwas unternommen wird. Schlimmer noch: kaum einer glaubt mehr, dass es bei den Behörden mit rechten Dingen zugeht.

Zugegeben, die Bezirksregierung hat es geschickt angestellt: Um die Abfallbehandlungsanlage problemlos durchwinken zu können, vereinbarte man mit dem Deponiebetreiber zum passenden Zeitpunkt ein geheimes Mediationsverfahren. Unbequeme Fragen nach der Zuverlässigkeit des Betreibers verschwinden – und das unter der Federführung einer grünen Regierungspräsidentin -unter dem Deckmäntelchen des Schweigens.

Einzig und allein der Bürgermeister redet Klartext, spricht aus, was jeder sieht und weiß, lässt sich nicht ins Bockhorn jagen. Fest steht: Die Grünen in Kamp-Lintfort und vielleicht auch im Land werden bei der nächsten Wahl die Quittung erhalten.

Klartext von Harry Seelhoff

WAZ/NRZ 29.09.2012 (Abschrift)