Kamp-Lintfort Demo gegen Deponie Eyller Berg: "Man kann nicht mehr wegschauen"

VON JUTTA LANGHOFF

Kamp-Lintfort (RP). Angst vor Vergiftung des Bodens, Angst vor gefährlichem Staub und Angst vor gesundheitlichen Spätfolgen: Die Anwohner der Giftmülldeponie am Eyller Berg waren schon lange besorgt.
Doch als der Deponiebetreiber vor einiger Zeit anzweifelte, dass die 1969 in ihrer Höhe festgelegte Deponiehöhe bereits erreicht sei, und deswegen ankündigte, dort weiteren Giftmüll abzukippen, entschlossen sich betroffene Anwohner eine Bürgerinitiative gegen den benachbarten Giftberg zu gründen.
Mit Erfolg. Während sich am Anfang nur wenige Kamp-Lintforter betroffen fühlten, ist die Zahl der Deponiegegner inzwischen rasant angewachsen, wie ein von dem örtlichen Interessenverein "Endlager Mensch" am Samstag initiierter Demonstrationsmarsch durch die Kamp-Lintforter Einkaufsmeile bewies. Ausgangstreffpunkt war um elf Uhr am Prinzenplatz.
"Ich weiß beim besten Willen nicht, wie viele Leute heute kommen werden", antwortete der Sprecher der Bürgerinitiative "Eyller Berg" Ulrich Blauert gut 15 Minuten vor Beginn des Demonstrationsmarsches. "Ich hoffe, es werden noch ein paar mehr." Zu diesem Zeitpunkt hatten sich vielleicht gerade mal 300 Demonstranten mit sowohl professionell angefertigten Spruchbändern, aber auch handgefertigten Styroporschildern angesammelt.
Doch dann füllte sich der Platz plötzlich in kurzer Zeit auf mit mindestens doppelt so viele Menschen. "Ich bin zwar kein Mitglied der Bürgerinitiative, aber mein Vater wohnt am Eyller Berg, und mir fehlt einfach das Verständnis für die bisherigen politischen Landesentscheidungen", begründete Marc Ziegler seine Teilnahme an der Demonstration. "Ich habe fast 25 Jahre neben der Deponie gewohnt, und inzwischen sind fünf meiner Bekannten tot und vier schwer an Krebs erkrankt", vermutete Ute Matteck, eine weitere Demonstrantin, eine ursächliche Beziehung zur Eyller Giftmülldeponie.
Auf dem von allen Seiten eskortierten Polizeifahrzeugen vermehrte sich der Zug anschließend in der Innenstadt durch immer mehr Teilnehmer, so dass am Ende vor dem neuen Kamp-Lintforter EK 3 Kaufhauskomplex fast eintausend Menschen versammelt waren, die mit lautstarken Sprechchören und Trillerpfeifkonzerten unter anderem den gleichzeitig sachlichen und kämpferischen Worten des ersten Kamp-Lintforter Beigeordneten Dr. Christoph Müllmann, sowie der solidarischen Ansprache des erst kürzlich gewählten SPD-Landtagsabgeordneten René Schneider ihren Beifall kundeten. "Bei so vielen engagierten Bürgern kann man einfach nicht mehr wegschauen."

Quelle: URL: http://www.rp-online.de/niederrhein-nord/moers/nachrichten/demo-gegen-deponie-eyller-berg-1.3064881