„Das gehört in den Landtag“

In Kamp-Lintfort sind sich – fast – alle Beteiligten einig, Politik, Verwaltung, Bürgerinitiativen: Die Mülldeponie Eyller Berg ist voll und darf deshalb keine weiteren Abfälle mehr annehmen und ablagern. Nur die Betreiber sehen das anders. Im Moment werden vier Mal so viel Lkw abgefertigt wie früher, bestätigte Bürgermeister Christoph Landscheidt im Gespräch mit unserer Zeitung.

Das ist den Gegnern der Deponie ein Dorn im Auge. Otto Sartorius (Naturschutzbund), Landwirt Heinrich Brambosch, dem direkt unterhalb der Deponie Grund gehört, und der Fraktionsvorsitzende der Freien Bürger-Gemeinschaft, Thomas Reif, nahmen vor einiger Zeit an einer Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses vom Kreistag Wesel teil, bei der sie im Rahmen der so genannten Fragestunde für Einwohner das Thema ansprachen.

Die Betreiber der Deponie, die Eyller-Berg-Abfallgesellschaft (EBA), nehmen immer mehr Müll an, so Sartorius. „Da wird jetzt sehr viel abgeladen. Und wenn das Mediationsverfahren acht bis zehn Jahre dauert, wie mir eine Mitarbeiterin der Bezirksregierung Düsseldorf sagte, dann schafft die EBA Fakten. In der Zeit wird die Deponie verfüllt.“

Hinzu komme, so Reif, dass die RAG unter dem Eyller Berg Kohle abgebaut habe. „Es gibt bereits jetzt schon Häuser mit Bergschäden. Wir wollen wissen, ob noch weiter mit Bergsenkungen zu rechnen ist. Wird das kontrolliert? Und von wem?“

Das Gelände unter dem Krankenhaus St. Bernhard sei vom Abbau verschont geblieben, so Reif. „Als das Gebäude 1997 errichtet wurde, gab es darunter keine Kohlenförderung mehr. Da wurde dort eine so genannte Sicherheitssäule eingerichtet. Hätte man die nicht auch unter dem Eyller Berg schaffen können?“

Sartorius bemängelt, dass die bisherige Deponie nicht komplett dokumentiert sei. „Was was auf der Hausmülldeponie abgelagert ist, dafür gibt es keine Unterlagen.“ Und bei dem Teil, den die Zeche Friedrich Heinrich und ihre Vorläuferfirmen verfüllt haben, gebe es weder beim Bergamt Moers noch beim Bergwerk Unterlagen, anhand derer man exakt feststellen könne, was dort verkippt wurde, so Sartorius.

Reif glaubt, dass die eigentlich zuständige Aufsichtsbehörde nicht mehr Herr des Verfahrens ist. „Meiner Ansicht nach ist das mittlerweile die EBA. Und die anderen Beteiligten hecheln immer nur hinterher.“ Jetzt will er im Namen der FBG eine Petition an den Landtag schicken, damit sich das Parlament mit der Angelegenheit befasst. „Wir müssen die Landesregierung darauf aufmerksam machen. Das gehört in den Landtag.“

„Möglichst schadensarm“

Auch seiner Ansicht nach spielt die auf Zeit. Und Reif stellt die Frage: „Ist das Mediationsverfahren der richtige Weg?“ Seiner Ansicht nach müssten auch mindestens die betroffenen Städte Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn mit beteiligt werden. „Sonst ist das Ganze Humbug.“ Da säßen dann zwei Parteien am Tisch, die „möglichst schadensarm aus der Geschichte rauswollen“, so Reif.

Der RAG werfen die Kritiker vor, dass so genannte Erdstufen, ihrer Aussage nach Verwerfungslinien, die zu Bergsenkungen und damit zu Schäden an der Deponie führen könnten, nicht in die dafür zur Dokumentation dienenden Karten eingetragen wurden. Sartorius: „Die Bergämter wussten nicht, dass es diese Linien gibt.“ Er setzt jetzt darauf, dass der oberste Markscheider der RAG, Klaus Fischer, darüber Auskunft geben könnte. Nach seiner Information ist dieser Markscheider zur nächsten Umweltausschusssitzung in Kamp-Lintfort eingeladen.

Auch Heinrich Brambosch, Landwirt am Fuß des Eyller Bergs, ist äußerst unzufrieden mit der derzeitigen Situation. „Mein Sohn hat bei einem Sachverständigen Akteneinsicht genommen. Der kommt in die Umweltausschusssitzung. Dann werden wir erfahren, wie sich diese Erdsenkungen auswirken.“ Enttäuscht war er darüber, dass sich so wenige Menschen im Kreistag für die Probleme mit dem Bergbaus interessierten.

Wolfgang Krause

Quelle: http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-moers-kamp-lintfort-neukirchen-vluyn-rheurdt-und-issum/das-gehoert-in-den-landtag-id7638182.html