Eyller Berg: Die Gräben sind tief

Auch die geballte Präsenz der Behörden in der Umweltausschusssitzung vermochte den Anwohnern ihr Bauchgefühl nicht zu nehmen, dass da so einiges nicht stimmt

Von Harry Seelhoff

Kamp-Lintfort/ Neukirchen-Vluyn. Eine Beteiligung derart vieler Behörden an einer Umweltausschusssitzung dürfte in Kamp-Lintfort wohl einmalig sein: Die Bezirksregierungen Düsseldorf und Arnsberg, der Geologische Dienst des Landes NRW, das Bergamt, die RAG - sie alle stellten sich gestern den Fragen der Bürger, Anwohner und Politiker. Harald Lenßen, Bürgermeister der Stadt Neukirchen-Vluyn, war ebenfalls gekommen, um sich ein Bild zu machen: „Die Vorwürfe wurden nicht so richtig entkräftet."

Bemerkenswert fand es Lenßen indes, dass sich alle Beteiligten der Öffentlichkeit stellten. Der Sachverständige Dr. Klaus Becker, von der Stadt Kamp-Lintfort mit einer Expertise zu Standsicherheit und Bergschäden der Deponie beauftragt, habe sehr kompetent gewirkt. Lenßen kann sich durchaus vorstellen, dass sich NeukirchenVluyn - sollte dies notwendig werden - an den Kosten eines weitergehenden Gutachtens beteiligen könnte. Lenßen: ,Wir waren schon sehr früh diejenigen, die sich in der Sache positioniert haben." Dieter Reichstein ist Anwohner des Eyller Berges und einer der wirklich unmittelbar Betroffenen. Seine Kritik

entzündet sich hauptsächlich an der Aussage der Bezirksregierung Düsseldorf, dass das Mediationsverfahren zwischen Bezirksregierung und Deponiebetreiber nun „im ersten Halbjahr" beendet werden solle. „Man hält uns wieder hin", beklagt Reichstein und fragt: „Was soll der Zirkus?"

Mehrstündiger Sitzungsmarathon

Bernhard Kames saß für die Fraktion der Grünen in der Sitzung. Sein Fazit nach fast vier Stunden: „Die Sitzung war okay." Er macht seine Einschätzung an der Tatsache fest, dass sich die Bezirksregierungen Düsseldorf und Arnsberg, der Bergbau und der Gutachter Klaus Becker an einen Tisch setzen wollen. Es soll die Frage geklärt werden: Gibt es möglicherweise

Einwirkungen des Bergbaus, die zu einer Gefährdung des Grundwassers oder des Bodens führen können? Interessant sei die Aussage der Bezirksregierung Arnsberg, die 69er Höhenlinie sei nie Teil einer Genehmigung gewesen, vielmehr gelte ein Gestaltungsplan. An der Nicht-Einhaltung der Höhenlinie wird von der Stadt die Überfüllung der Deponie festgemacht.

Dieter Reichstein legt den Finger in eine schwärende Wunde: Was mich zum Schluss sehr geärgert hat: Gutachter Becker hat einen langen Vortrag gehalten, und dann gehen die vom Bergbau hin und sagen, da sei kein Bergbau mehr, da könne nix passieren." Die Menschen, die rund um den Eyller Berg wohnen, fühlen sich längst nicht mehr ernst genommen.

WAZ/NRZ 01.03.2013