Deponie-Betreiber lässt Bäume entfernen

VON STEFAN GILSBACH - zuletzt aktualisiert: 07.06.2013

Kamp-Lintfort (RP). Ohnmächtige Wut im Umweltausschuss: Eine beträchtliche Fläche mit Laubholz hat die Abfallgesellschaft auf dem Eyller Berg beseitigt. Die Bezirksregierung Düsseldorf sieht keinen Grund zum Eingreifen.

Wenn der Umweltausschuss in Kamp-Lintfort tagt, fühlt man sich an die Qualen des Sisyphos erinnert. Der musste einen schweren Stein immer wieder den gleichen Berg hochschieben. In diesem Fall ist es der Eyller Berg, und die Hilflosigkeit von Stadt und Politik gegenüber der Deponie und ihren Betreibern wurde gestern wieder deutlich. Vor der Sitzung waren die Ausschussmitglieder zu einem Ortstermin am Eyller Berg zusammengekommen. Der Anlass: Die Stadt hat festgestellt, dass die Betreiberfirma ein beträchtliches Stück Wald – genauer gesagt: Laubholzbestockung – entfernt hat, und zwar ohne Genehmigung des Kreises Wesel oder des Landesbetriebes Wald und Holz. Die Stadt wandte sich an die Bezirksregierung. Und die stellt sich wieder auf die Seite der Abfallgesellschaft. Die Deponiefläche habe sich stellenweise verschoben, und die ursprünglich vorgesehene Grenze der Auskiesungsfläche sei im Verlauf der Abgrabungsarbeiten im Südosten überschritten worden. "Dadurch sei der nach der Waldumwandlungsgenehmigung von 1972 zu erhaltende Waldsaum tangiert worden", referiert die Stadt. Doch alles halb so schlimm in den Augen der Bezirksregierung: Man habe inzwischen "die Genehmigungslage den faktischen Gegebenheiten angepasst". Ein Fehlverhalten der Deponiebetreiber sieht man nicht. Der Stadt bleibt nur Achselzucken. "Da können wir nichts Konstruktives mehr tun", meint Dezernent Martin Nothoff. "Eine Wiederaufforstung wäre nicht verhältnismäßig, da hat die Bezirksregierung Recht. Wir können auf die Rekultivierung hoffen."

 

Ausschussmitglieder und Zuhörer äußerten erneut ihre Empörung darüber, dass die Betreibergesellschaft auf dem Eyller Berg offensichtlich machen könne, was sie wolle. "Ich verstehe nicht, dass diese Leute nicht einmal gerügt werden", empört sich SPD-Fraktionschef Heinz-Günter Schmitz. "Kein Wunder, dass die Menschen hier der Bezirksregierung nicht mehr trauen." Diese erneute Ohrfeige für die Stadt und den Kreis Wesel hat die Resignation innerhalb der Politik noch verstärkt. So rechnet CDU-Ratsmitglied Peter Stapper kaum noch damit, dass etwas Positives für die Deponie-Gegner aus dem laufenden Mediationsverfahren resultieren könnte: "Die Bezirksregierung spielt auf Zeit. Die werden alles zulassen, was Herr Ossendot will." Ähnlich äußerte sich Bernd Schmitz von der Bürgerinitiative Eyller Berg: "Die Bezirksregierung braucht den Schiedsspruch, damit ihr Verhalten legitimiert wird." Bei Gesprächen im Umweltministerium sei ihm klar geworden, dass die Rechtsposition des Betreibers zu stark sei.

Aus diesem Grund, so argumentierte Lutz Malonek von der Interessengemeinschaft "Endlager Mensch", habe es wenig Sinn, sich mit gefällten Bäumen aufzuhalten. "Eine Schließung der Deponie werden wir nur erreichen, wenn Gefahr für die Allgemeinheit besteht." Deshalb legen er und seine Mitstreiter nun ein medizinisches Gutachten vor, das zu dem Schluss kommt: Sehr wahrscheinlich besteht ein Zusammenhang zwischen der Deponie und Krebserkrankungen in der Umgebung.

Initiative will ihren Vorstand verkleinern

Zwei Initiativen kämpfen gegen die Mülldeponie Eyller Berg. Die Bürgerinitiative Eyller Berg hat angekündigt, ihren Vorstand verkleinern zu wollen. Daneben gibt es die Interessengemeinschaft Endlager Mensch.

Quelle: http://www.rp-online.de/niederrhein-nord/moers/nachrichten/deponie-betreiber-laesst-baeume-entfernen-1.3449572