150 Demonstranten kämpfen gegen Giftmülldeponie

Kamp-Lintfort. Landtagsabgeordneter René Schneider spricht von "juristischem Schlachtfeld". Er erhebt schwere Vorwürfe gegen Deponiebetreiber. Von Peter Gottschlich

Lautstark zogen am späten Samstagvormittag Demonstranten mit Trillerpfeifen und Transparenten durch die Stadt. Sie gingen auf die Straße, um ihre Forderung zu unterstreichen, dass auf der Deponie Eyller Berg "keine giftigen Abfälle" mehr angenommen werden und sie sofort rekultiviert werden soll.

150 Personen waren bei dieser "Giftberg-Demo" dabei, zu der die Interessengemeinschaft Endlager Mensch eingeladen hatte, wobei sie von der Bürgerinitiative Giftmülldeponie Eyller Berg unterstützt wurde. Das waren nur halb so viele, wie zur bis dahin letzten innerstädtischen Demonstration im November 2012 gekommen waren.

 

Schließlich sei es ein Kampf gegen einen Müllgiganten", wie er von der IG Endlager in der Einladung zur Demonstration bezeichnet worden war. Und dieser Kampf scheint mürbe zu machen, weil er fast aussichtslos zu sein scheint.

"Wir sind ganz schön im Eimer, weil wir fast gar nichts erreichen", sagte Bernd Schmitz als Vorsitzender der BI Mülldeponie Eyller Berg auf dem Prinzenplatz, wo die Demonstration mit einer Kundgebung startete. "Jetzt beginnt eine gerichtliche Auseinandersetzung. Es heißt, sie dauert vier bis acht Jahre. Ich denke, wahrscheinlich werden es acht Jahre, in den weiter Abfall gekippt wird. Wir dürfen uns nicht zu viel Hoffnung machen."

Ganz so pessimistisch sah Landtagsmitglied René Schneider die Lage nicht, der wie der IG-Endlager-Vorsitzende Lutz Malonek, der Bürgermeister Christoph Landscheidt und die FBG-Vorsitzende Melanie Müller auf dem Prinzenplatz sprach.

"Es ist ein juristisches Schlachtfeld", sagte der Abgeordnete. "Beide Seiten kämpfen mit harten Bandagen. Dazu spielt die Betreibergesellschaft ,foul'", fand René Schneider Schließlich wolle die Eyller Berg Abfallgesellschaft den Eyller Berg" möglichst lange laufen lassen.

Am Samstag trugen einige Demonstranten über Mund und Nase Atemschutzmasken, als sie ihren Protestgang starteten. "Maulkorb" hatten sie darauf geschrieben, beispielsweise die, die ein schwarzes Kreuz auf einen Bollerwagen montiert hatten, auf dessen Balken zu lesen war: "Gift-Mülldeponie Kamp-Lintfort."

Am Ziel angekommen, beschworen die Redner den Zusammenhalt der Eyllerberg-Gegner. "Hier in Kamp-Lintforter stehen alle zusammen", sagte beispielsweise Albrecht Bilke, der vor zwei Jahren aus Oer-Erkenschwick in die Hochschulstadt gezogen war.

"Es herrscht ein unheimlicher Zusammenhalt. Die Großen sitzen nicht am längeren Hebel, auch wenn das so aussieht", betonte der Demonstrant.

Quelle: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/kamp-lintfort/150-demonstranten-kaempfen-gegen-giftmuelldeponie-aid-1.4266654