Rheinische Post 24.7.2009 (Abschrift)

Deponie Klasse 3 oder Giftberg?

Von Christian Schwerdtfeger und Christian Schroeder

KAMP-LINTFORT Ähnlich wie einst Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg hämmerte, hat Otto Sartorius die 239 Schadstoffe, die auf dem Eyller Berg entsorgt werden sollen, mahnend auf zwei großen Schriftrollen an die hölzernen Stützbalken des Vereinsheims des SuS Rayen geschlagen. 105 davon seien als gefährlich für Mensch und Umwelt deklariert, ist auf den Rollen zu lesen.

Die Auflistung soll allen vor Augen führen, wie schädlich die Deponie ist — und offenbar teilen viele die Meinung. Denn am späten Dienstagabend war das Vereinsheim des SuS Rayen proppenvoll, kaum ein Stuhl blieb frei. Die Gegner der geplanten neuen Abfallanlage auf dem Eyller Berg trafen sich dort, um ihre Bürgerinitiative in einen Verein umzuwandeln. „So können wir klagen, Anwälte beauftragen, Verträge abschließen, und wir haben dadurch Steuervorteile", erklärt Herbert Bongert, der zum stellvertretenden Vorsitzenden des neuen Vereins „Bürgerinitiative Eyller Berg Neukirchen-Vluyn/Kamp-Lintfort" von den 58 Mitgliedern gewählt wurde, die Gründe für die Umwandlung. Dem für ein Jahr gewählten Vorstand gehören zudem an: Otto Sartorius (Vorstandsprecher für Kamp-Lintfort), Ulrich Blauert (Vorstandsprecher für Neukirchen Vluyn), Christoph Rohlof (stellvertretender Vorstandssprecher), Kirsten Peters (Kassiererin) und Karin Behrend-Bongert (Schriftführerin). Ziele des Vereins sind, die von der Eyller-Berg-Abfallgesellschaft geplante neue Abfallbeseitigungsanlage zu verhindern, die dortige Abfalldeponie ganz zu schließen sowie den Eyller Berg wieder zu renaturieren.

Blick aus der Luft aus dem Eyller Berg
Blick aus der Luft aus dem Eyller Berg

Zuständig für die Genehmigung der Anlage ist die Bezirksregierung Düsseldorf, der ein vorläufiger schriftlicher Antrag auf Genehmigung und Betrieb der Abfallgesellschaft vorliegen soll. Beim bestehenden Betrieb handele sich um eine so genannte Deponie Klasse 3, eine oberirdische Deponie für gefährliche und nicht-gefährliche Abfälle, zitiert Angelika Helmke von der Bezirksregierung aus der Deponieverordnung (DepV). „Es ist richtig, dass es dort gefährliche Stoffe gibt, aber es ist alles in Ordnung, wie dort mit den Stoffen umgegangen wird", sagt Helmke. In diesem Jahr hätte die Bezirksregierung sechsmal unangekündigt die Deponie kontrolliert, es sei zu keinen Beanstandungen gekommen. Die Produktion von Schadstoffen könne in einer Konsumgesellschaft nicht verhindert werden. „Sie müssen entsorgt werden, am besten ohne weite Transportwege", erklärt Angelika Helmke. Es sei auch möglich, Schadstoffe unterirdisch in Salzbergwerken zu entsorgen.

Blick aus der Luft aus den Eyller Berg. Ein neu gegründeter Verein will für einen Berg ohne Schadstoff-Deponie kämpfen.

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