Schwerfällig wie ein 600 000-Tonnen-Öltanker

Bürgerinitiative kritisiert ungenügende Wächterarbeit der Bezirksregierung

Kamp-Lintfort. Dass die Bezirksregierung so schwerfällig wie ein 600 000-Tonnen-Öltanker sei, diese Einschätzung hat Otto Sartorius im Laufe der Jahre gewonnen. Überhaupt werfen er und Ulrich Blauert, die beiden Sprecher der jungen Bürgerinitiative Eyller Berg, der Düsseldorfer Behörde vor, ihre Wächterfunktion an und auf der Sonderdeponie bislang nur sehr ungenügend zu erfüllen.

In dem Zusammenhang erinnert Sartorius daran, dass in der Vergangenheit nach Starkregenfällen häufiger Sonderabfälle von der Halde auf die Straße und in ein angrenzendes Maisfeld gespült worden seien. Um das Problem in den Griff zu bekommen, habe die Betreiberin, die Eyller-Berg Abfallbeseitigungsgesellschaft (EBA), auf Drängen des Kreises die Deponie immer wieder nachbessern müssen.

Erst nach dem jüngsten Starkregen konnten Mitglieder der Bürgerinitiative keine Ausspülungen mehr feststellen. Ausdrücklich lobt Otto Sartorius die sehr konsequente Haltung der Kreisverwaltung. Der Weseler Behörde sei es auch zu verdanken, dass die Forderung nach Einrichtung einer Reifenwaschanlage auf dem Deponiegelände endlich erfüllt wurde. Die Bezirksregierung habe diese Anlage als nicht erforderlich beurteilt.

Sonderabfälle in die Böschungen gekehrt

Zuvor wurde die Deponiezufahrt, wie Sartorius schildert, mit einer Kehrmaschine gereinigt und dabei auch Abfallstoffe in die Böschungen gefegt. In einem Gespräch mit Vertretern des Landesumweltministeriums und weiterer Behörden hatten der Lintforter und Wolfgang Giesen von den Grünen aus Neukirchen-Vluyn 2002 auch die nicht ausreichende Einzäunung der Sonderdeponie kritisiert. Erst nach Jahren wurden Teilbereiche mit festen Gittern versehen. Aber stellenweise gebe es noch immer den groben Schafszaun.

Ulrich Blauert hat mit Tele-Objektiv die Deponie und den Entsorgungsbetrieb dokumentiert. Aufnahmen zeigen, dass Transporte mit Abfällen ohne Schutzabdeckung unterwegs sind. Andere Aufnahmen lassen erkennen, dass die Sonderabfälle offen aufgehaldet sind. Da mag niemand von der Bürgerinitiative glauben, dass keine nennenswerten Staubemissionen entstehen. Blauert hält es für eine grobe Fahrlässigkeit, dass Maß und Qualität solcher Emissionen nicht ständig gemessen werden. Vorwürfe richtet die Bürgerinitiative nicht nur an die Bezirksregierung, sondern auch an Rat und Verwaltung in Lintfort, die die Unzulänglichkeiten des Deponiebetriebs tatenlos hingenommen hätten. erp.

WAZ/NRZ 19.8.09 (Abschrift)