Dialog auf dem Berg

In der nächsten Woche haben Friedrich und Ralf Ossendot den Umweltausschuss auf dem Eyller Berg zu Gast. Die Geschäftsführer der Eyller Berg Abfallgesellschaft (EBA) wollen die Diskussion um die Deponie versachlichen.

VON ANJA KATZKE

KAMP-LINTFORT Friedrich und Ralf Ossendot rechnen damit, dass viele Bürger diese Gelegenheit nutzen und sich den Mitgliedern des Umweltausschusses anschließen werden: „Die Anwohner haben bisher nie den Dialog mit uns gesucht", betonen die beiden EBA-Geschäftsführer. Die Sorgen und Ängste der Nachbarn vom Eyller Berg können sie zwar nachvollziehen. Sie wünschen sich aber eine sachliche, aufklärende Diskussion. Die seit zehn Jahren geplante Abfallvorbehandlungsanlage soll auf einer Fläche von 200 bis 300 Quadratmetern auf dem Betriebsgelände entstehen: „Es handelt sich um einen Zwangsmischer und Silos für Zusatzmittel", erklärt Ralf Ossendot.

Prognosen für die Rekultivierung

Die Anlage, die auf dem neuesten Stand der Technik gebaut werden soll, spiele eine wesentliche Rolle, um die Laufzeit der Deponie abzukürzen. Es handele sich um keine Pilotanlage, wie Kritiker vermutetet hätten. Solche Anlagen gebe es in Deutschland zuhauf. „Die Deponieverordnung fordert die Vorbehandlung von Abfällen, damit sie schadstofffrei abgelagert werden können. Der Erfolg einer solchen Behandlung wird aber erst im Labor getestet, bevor sie tatsächlich vorgenommen wird", erläutert Peter Koll, Leiter der EBA-Abfallwirtschaft. „Es gibt gesetzliche Vorschriften, die Abfallbehandlunganlagen erfüllen müssen. Sonst gibt es für sie keine Genehmigung."
Ebenso werde die komplette Entsorgungskette – vom Erzeuger bis zum Anlagebetreiber – lückenlos kontrolliert. So regele die Nachweisverordnung, wie die unterschiedlich eingestuften Abfälle abfallrechtlich zu überwachen sind. „Zu uns kommen nur definierte Abfallströme", betonen die Geschäftsführer der EBA. Für alle Schadstoffe seien in der Deponieverordnung Grenzwerte festgelegt, die eingehalten werden müssten.

„Wir sind von der Genehmigung der Anlage noch weit weg", betont Friedrich Ossendot. Dass der Antrag seit zehn Jahren bei der Bezirksregierung Düsseldorf vorliege, hänge auch damit zusammen, dass es sich um ein umfangreiches Verfahren handele. Unterschiedliche gesetzliche Bestimmungen hätten die Neuanpassung des Antrages erforderlich gemacht. „Es handelt sich um formale Fragen", so Ossendot. Die Abfallbehandlungsanlage habe eine „dienende Funktion", erklärt Ralf Ossendot. „Sie soll nicht über die Laufzeit der Deponie hinaus betrieben werden, sondern ist an der Wiederherstellung des Eyller Bergs gekoppelt“, so die Geschäftsführer. Für die Rekultivierung des Berges gebe es zeitliche Prognosen. Die geplante Anlage sei ein wesentliches Element, diese Prognosen zu erfüllen. Es könnten 20 000 Kubikmeter zusätzliches Material verfüllt werden. Die Vereinbarung, die 2002 mit der Stadt getroffenen wurde, habe die rechtlich ungeordneten Verhältnisse auf dem Eyller Berg geklärt. Sie sei Grundlage für einen Gesamtplan Eyller Berg. „Ohne diesen Vertrag wäre man heute noch nicht so weit“, sagt Ossendot.




Geschäftsführer Ralf Ossendot und Peter Koll, Leiter der Abfallwirtschaft, zeigen die dreistufige Sickerwasseraufbereitungsanlage. Die gereinigten Sickerwässer werden über eine Druckrohrleitung der Kläranlage zugeführt.    RP-FOTO: KDI


INFO Verkehrsaufkommen


Von Mülltourismus könne keine Rede sein, betonten gestern die EBA-Geschäftsführer. Sie gehen davon aus, dass die Abfallbehandlungsanlage vier bis fünf Touren pro Tag erforderlich macht. Die Deponie verfügt laut EBA über einen Regelaufbau nach der Deponieverordnung für Deponien der Klasse III. Die EBA ist seit 1979 auf dem Berg aktiv. Sie hat 50 bis 60 Mitarbeiter. Der Umweltausschuss tagt am 3. September.


Rheinische Post 26.8.09 (Abschrift)