Kamp-Lintfort

Initiative übt Druck aus

VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER
Kamp-Lintfort (RP) Und täglich grüßt das Murmeltier: Die Diskussion um die Mülldeponie auf dem Eyller Berg ist ziemlich verzwickt. Bürgermeister Dr. Christoph Landscheidt macht ein "Friedensangebot" an die Bürgerinitiative.


Ist die Mülledeponie auf dem Eyller Berg wirklich gefährlich für Mensch und Umwelt? Oder wird die Sache nur heißer gekocht, als sie gegessen wird? Fest steht: Auf dem Eyller Berg werden Schadstoffe entsorgt. Für die Bürgerinitiative, die sich selbst den Namen "Giftberg" gegeben hat, steht deswegen völlig außer Frage, dass die Abfallbeseitigungsanlage ein großes Gefahrenpotential in sich birgt.

 

Wirrwarr der Zuständigkeiten

Ihre Forderung: Die Deponie muss so schnell wie möglich geschlossen werden, der Eyller Berg dann schleunigst rekultiviert werden. "Damit nicht noch mehr Schaden angerichtet wird", sagt Uli Blauert, Sprecher der Initiative. Die Gegenseite, also die Betreiberfirma Ossendot, sieht das anders.
Solche Anlagen gebe es in Deutschland schließlich zuhauf, Gefahren gingen nicht von der Anlage aus. Zwischen den   Parteien sitzen noch die Stadt Kamp-Lintfort, die 2002 in einer Vereinbarung mit der Eyller Berg Abfallgesellschaft den weiteren Ausbau unter Auflagen zustimmte und deswegen von der Bürgerinitiative kritisiert wird, und als oberste Aufsichtbehörde der Deponie, die Bezirksregierung Düsseldorf.

Das Wirrwarr komplett macht die Bezirksregierung Arnsberg, gegen die die Abfallentsorger zurzeit offenbar einen Prozess führen. Streitpunkt soll das Nachsorgekonzept für den abgedichteten Bergbauteil der Deponie sein. Denn ein Teil des "Berges" ist eine frühere Ruhrkohledeponie, für deren Aufsicht dann wiederum das Bergamt Moers zuständig ist. Etwas Licht ins Dunkel soll Bürgermeister Dr. Christoph Landscheidt bringen.

In einem offenen Brief fordert die Initiative das Stadtoberhaupt mit acht Fragen auf, Stellung zum Eyller Berg zu beziehen. Die Antwort kam prompt – wenn wohl auch nicht so, wie von der Bürgerinitiative gewünscht. In einer Pressemitteilung erklärte Landscheidt, dass er zu einer sachlichen Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative bereit sei.

"Falls er (gemeint ist Otto Sartorius, Sprecher der Initiative) dies weiterhin ablehnt, mag er doch endlich die seit Wochen angekündigte Verleumdungsklage erheben", sagt Landscheidt, der noch einmal klarstellen möchte, dass die Stadt zu keinem Zeitpunkt einer Behandlungsanlage, von der Gefahren ausgehen könnten, zugestimmte habe. Ob die Bürgerinitiative das "Friedensangebot" annehmen wird, bleibt abzuwarten. In der nächsten Woche kommt das Thema im Umweltausschuss auf den Tisch.

 

Initiative will am Ball bleiben

 

Übrigens: Die geplante Erweiterung der Deponie durch eine weitere Abfallbehandlungsanlage brachte den Stein erst nach Jahren wieder ins Rollen. Denn vor Jahren gab es schon einmal eine Bürgerinitiative gegen die Mülldeponie auf dem Eyller Berg.

Im Gegensatz zu damals, als die Bemühungen mehr oder weniger im Sande verliefen, will die neue Bürgerinitiative nicht eher aufgeben, bis der Eyller Berg wieder rekultiviert ist. Das wurde auf der Mitgliederversammlung am Dienstagabend deutlich betont.

Info: Vertrag 2002


In der Pressemitteilung äußert sich der Bürgermeister auch noch einmal zum 2002 geschlossenen Vertrag: "Einvernehmliches Ziel des Rates war es damals in erster Linie, auf den zeitlichen Ablauf der Deponierung, das heißt auf die möglichst sichere, geordnete und zeitlich zu befristende Ablagerung sowie auf die Rekultivierung des Berges und die Nutzung des städtischen Straßen mit Vereinbarung der Straßen zu regeln."

Quelle Rheinische Post 27.8.09 (Abschrift)