Dezember 2011

Eyller Berg braucht Grundwasser

06.01.2012 | 18:07 Uhr

Eyller Berg braucht Grundwasser

Anträge für Entnahme von rund 270 000 Kubikmetern jährlich zur Berieselung von Straßen, Wegen und Giftmüll gestellt.

Der Betreiber der Giftmülldeponie Eyller Berg, die Eyller-Berg Abfallbeseitigungsgesellschaft, hat kürzlich drei Anträge auf die Entnahme von Grundwasser gestellt: Es werden knapp 270 000 Kubikmeter zur Berieselung des Deponiekörpers sowie von Straßen und Wegen benötigt, was etwa der Wassermenge von 450 Schwimmbädern entspricht. Für Ulrich Blauert, Vorstandssprecher der Bürgerinitiative ge­gen die Giftmülldeponie, ist das so etwas wie ein Schuldeingeständnis.

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Gilt der Höhenplan?

Der Eyller Berg steht weiter unter Beobachtung: Die Bürgerinitiative Eyller Berg hat nicht nur einen Fachanwalt für Umweltrecht eingeschaltet. Sie ließ auch den Abschlussbericht des Lanuv prüfen.

Von Anja Katzke

KAMP-LINTFORT. Die Bürgerinitiative hat einen Chemiker in Hilden mit der Prüfung des Abschlussberichts des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) zu den diversen Messergebnissen am Eyller Berg beauftragt: „Er hat ein Gutachten erstellt, aus dem sich für uns weitreichende Schlüsse ziehen lassen, vor allem was die Dauer und Intensität der Umweltbelastungen angeht", resümierte Ulrich Blauert, Sprecher der Bürgerinitiative, gestern das Gutachten. „Er geht von langjährigen Luftbelastungen mit Blei insbesondere im östlichen Teil der Deponie aus", sagte Blauert. Es müsse schon in der Vergangenheit eine wesentlich höhere Kontamination stattgefunden haben. „Wir haben dieses Gutachten dem Lanuv zugesandt und erwarten eine Stellungnahme." Wie berichtet, hat die Bürgerinitiative in Kooperation mit Unternehmern in Kamp-Lintfort einen Fachanwalt für Umweltrecht eingeschaltet. Er soll die Genehmigungen zum Höhenplan von 1969 überprüfen. „Wir wollen geklärt wissen, ob die Bezirksregierung diesen Plan irgendwann einmal relativiert hat oder ob er nach wie vor rechtsgültig ist", erklärte Ulrich Blauert das Ansinnen.

Dienstaufsichtsbeschwerde

Aus Sicht von Blauert und seinen Mitstreitern entspricht der Eyller Berg nicht mehr dem Geländeprofil des Höhenplans von 1969. „Wenn die Einmessung des Berges unsere Einschätzung bestätigt, dass mehr Giftmüll als erlaubt abgeschüttet wurde, ist der Betrieb der Deponieunserer Meinung nach nicht mehr legal. Und das könnte dazu führen, dass wir strafrechtliche Schritte gegen den Betreiber und die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde einleiten werden", zog der Sprecher der Bürgerinitiative ein Fazit. Deshalb hat die Einmessung des Berges für die Initiative oberster Priorität.

Doch auch die Vorgänge auf dem Eyller Berg will die Bürgerinitiative weiterhin aufmerksam beobachten. „Die Anordnung der Bezirksregierung, die offenen Bereiche abzudecken, erfolgt nicht in dem Umfang, wie es vorgeschrieben wurde", hat Ulrich Blauert festgestellt.

Fotos, die der Initiative zugespielt wurden, würden belegen, dass weitere Flächen überhaupt nicht abgedeckt und weiterhin der jeweiligen Witterung ausgesetzt seien.

Überwachung der Deponie

„Das heißt: Die Überwachung der Deponie funktioniert nicht. Die Bezirksregierung in Düsseldorf hat zugeschaut, wie der Eyller Berg wächst. So nicht“, schimpft Blauert. Die Anwort von Umweltminister Johannes Remmel auf die Dienstaufsichtsbeschwerde steht laut Blauert immer noch aus.

INFO

Forderungen

Die BI fordert, dass das Lanuv sein Untersuchungsprogramm ausweitet. Es müsse bis zum Grundwasser geprobt werden, weil sich viele Stoffe in tieferen Bereichen auswaschen würden. Außerdem müsse die Bezirksregierung den Anwohnern eine spezielle Blut- oder Urinuntersuchung durch einen Umweltmediziner anbieten. Nur durch dieses Verfahren ließen sich Giftstoffe im Körper nachweisen.

Quelle: Rheinische Post, 30.12.2011

 

Mit Experten gegen den Giftmüll am Eyller Berg

Harry Seelhoff

Kamp-Lintfort/Neukirchen-Vluyn.

Einen Ausblick auf die Arbeit im nächsten Jahr gab gestern die Bürgerinitiative ge­gen die Giftmülldeponie Eyller Berg (BI). Ein Anwalt für Umweltrecht prüft derzeit im Auftrag der BI und des in der Nähe der Deponie ansässigen Unternehmens UFP Deutschland, wie eine Einmessung des Eyller Berges durchgesetzt werden kann.

Falls, so BI-Vorstandssprecher Ulrich Blauert, der 1969er Höhenplan rechtsgültig sei und die Überhöhung durch eine Einmessung festgestellt würde, wäre die Deponie illegal und müsse sofort dicht gemacht werden. „Dies kann dazu führen, dass wir Strafanzeige gegen den Deponiebetreiber und die Bezirksregierung erstatten“, so Blauert. Der Aufsichtsbehörde traut die BI zudem nicht mehr über den Weg. „Die Bezirksregierung soll ih­re eigenen Verfehlungen in der Vergangenheit aufklären – wie sinnvoll ist das?“, fragt der BI-Sprecher.

Bürgerinitiative lässt Gutachten fertigen

Parallel zur Arbeit des Fachanwalts erstellte mit Dr. Walther Enßlin ein weiterer Experte ein Gutachten zur Giftmülldeponie. Es beschäftigt sich mit den Emissionen und ihren Folgen, mit der Belastung der Luft sowie des Bodens und der Pflanzen. Ulrich Blauert: „Es geht um die Frage: Kann das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz dem etwas entgegen setzen?“

In die Front der Gegner des Giftberges hatte sich auch die niederrheinische Ärzte- und Apotheker-Initiative eingereiht. Der Umweltmediziner Michael Lefknecht, so Blauert, rate dringend zu einer Begutachtung, die nicht durch ein Institut aus NRW durchgeführt werden dürfe. Zudem warne der Arzt vor voreiligen Messkampagnen. Man müsse erst feststellen, welche PCB’s auf der Deponie gelagert seien, bevor man nach ihnen suche. Die Routineuntersuchung schaue am Problem vorbei.

Quelle: WAZ, 30.12.2011

 
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