Presseartikel

Eyller Berg: Die Gräben sind tief

Auch die geballte Präsenz der Behörden in der Umweltausschusssitzung vermochte den Anwohnern ihr Bauchgefühl nicht zu nehmen, dass da so einiges nicht stimmt

Von Harry Seelhoff

Kamp-Lintfort/ Neukirchen-Vluyn. Eine Beteiligung derart vieler Behörden an einer Umweltausschusssitzung dürfte in Kamp-Lintfort wohl einmalig sein: Die Bezirksregierungen Düsseldorf und Arnsberg, der Geologische Dienst des Landes NRW, das Bergamt, die RAG - sie alle stellten sich gestern den Fragen der Bürger, Anwohner und Politiker. Harald Lenßen, Bürgermeister der Stadt Neukirchen-Vluyn, war ebenfalls gekommen, um sich ein Bild zu machen: „Die Vorwürfe wurden nicht so richtig entkräftet."

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Eyller Berg: „Bürger werden vertröstet"

Die Bürgerinitiative schreibt an Umweltminister Johannes Remmel.

KAMP-LINTFORT (aka) Im Vorfeld der Sitzung des Umweltausschusses am Donnerstag meldete sich die Bürgerinitiative „Eyller Berg" mit einem erneuten Schreiben an Umweltminister Johannes Remmel in der Öffentlichkeit zurück. Darin kritisiert die Initiative vor allem die Dauer des Mediationsverfahrens zwischen Bezirksregierung Düsseldorf und Eyller Berg Abfallgesellschaft. Inzwischen seien mehr als zehn Monate seit Beginn des Verfahrens vergangen. „Der Vorstand der Bürgerinitiative kann und will seinen Mitgliedern sowie allen Interessierten vor dem Hintergrund der Geschichte dieses Verfahrens kein positives Bild mehr vermitteln", schreibt Sprecher Ulrich Blauert.

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Deponiegegner fragen sich: Ist der Eyller Berg noch dicht?

Am Donnerstag geht es unter anderem um die Abdichtung der Deponie

Von Harry Seelhoff

Kamp-Lintfort. Die nächste Umweltausschusssitzung am Donnerstag, 28. Februar, verspricht spannend zu werden. Zentraler Punkt ist die Giftmülldeponie Eyller Berg und eine Kurzexpertise zu deren Standsicherheit und Abdichtung. Bürgermeister Christoph Landscheidt: „Bei Verdacht auf Schäden muss man dem nachgehen. Die Frage ist: Reichen die Erkenntnisse für die Bezirksregierung aus?"

Otto Sartorius, Ex-Grüner und seit Jahrzehnten nimmermüder Kämpfer gegen die Giftmülldeponie, verweist auf einen Antrag der Grünen aus März 1999, mit dem folgender Punkt auf die Tagesordnung der Umweltausschusssitzung gesetzt werden sollte: „Bergschäden im südöstlichen Teil des Eyller Berges/ der Eyller-Berg-Straße und nördlich des Rayener Berges/ Honigshuck". Zudem hatten die Grünen einen Fragenkatalog eingereicht, in dem unter anderem folgende Frage beantwortet werden sollte: „Wie werden die technischen Einrichtungen an der Basis der Sonderabfalldeponie überwacht?" Gemeint waren das Sickerwasser und die Basisabdichtung.

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„Das gehört in den Landtag“

In Kamp-Lintfort sind sich – fast – alle Beteiligten einig, Politik, Verwaltung, Bürgerinitiativen: Die Mülldeponie Eyller Berg ist voll und darf deshalb keine weiteren Abfälle mehr annehmen und ablagern. Nur die Betreiber sehen das anders. Im Moment werden vier Mal so viel Lkw abgefertigt wie früher, bestätigte Bürgermeister Christoph Landscheidt im Gespräch mit unserer Zeitung.

Das ist den Gegnern der Deponie ein Dorn im Auge. Otto Sartorius (Naturschutzbund), Landwirt Heinrich Brambosch, dem direkt unterhalb der Deponie Grund gehört, und der Fraktionsvorsitzende der Freien Bürger-Gemeinschaft, Thomas Reif, nahmen vor einiger Zeit an einer Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses vom Kreistag Wesel teil, bei der sie im Rahmen der so genannten Fragestunde für Einwohner das Thema ansprachen.

Die Betreiber der Deponie, die Eyller-Berg-Abfallgesellschaft (EBA), nehmen immer mehr Müll an, so Sartorius. „Da wird jetzt sehr viel abgeladen. Und wenn das Mediationsverfahren acht bis zehn Jahre dauert, wie mir eine Mitarbeiterin der Bezirksregierung Düsseldorf sagte, dann schafft die EBA Fakten. In der Zeit wird die Deponie verfüllt.“

Hinzu komme, so Reif, dass die RAG unter dem Eyller Berg Kohle abgebaut habe. „Es gibt bereits jetzt schon Häuser mit Bergschäden. Wir wollen wissen, ob noch weiter mit Bergsenkungen zu rechnen ist. Wird das kontrolliert? Und von wem?“

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Eyller Berg: Müll mal vier

Dass die Mülldeponie Eyller Berg seit langem kritisch beäugt wird, ist nichts Neues. Neu ist allerdings, dass dort seit einiger Zeit in vierfacher Geschwindigkeit Müll angeliefert wird.

Noch voller?

Menschen, die sich intensiv mit der Deponie beschäftigen, informierten die Redaktion darüber, dass immer mehr Lkw Abfall dorthin transportieren. Und das bereitet ihnen die Sorge, dass der Müllabladeplatz, der ihrer Einschätzung nach ohnehin schon mehr als überfüllt ist, noch voller wird.

Bürgermeister Christoph Landscheidt bestätigte im Gespräch mit unserer Zeitung die Beobachtungen der Informanten. „Früher war es ein Lkw pro Stunde, im Moment sind es vier in derselben Zeit.“ Das habe ihm die so genannte Deponieaufsicht bestätigt. „Dort liegt mittlerweile auch schon eine Anzeige in dieser Angelegenheit vor“, so Landscheidt.

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